Sonntag, 10. Dezember 2017

Das Wasser steigt - Die gefährliche Seite des Reichtums

Als Thomas S. Kuhn (Harvard University) in seinem 1962 erschienenen Buch "Structure of Scientific Revolutions" vom Begriff "Paradigma" sprach, meinte er das jeweils vorherrschende Gedankengerüst in der Wissenschaft, die Art und Weise zu denken, eine bestimmte Weltanschauung, und mit "Paradigmenwechsel", den Übergang von einem Paradigma zu einem anderen, das heißt, dass eine Art zu denken von einer anderen abgelöst wird. Doch warum sollte dies nur innerhalb des Fachgebiets der Wissenschaftstheorie der Fall sein und nicht auch auf andere Bereiche der Technik und Gesellschaft zutreffen?

Dies führt mich zu folgenden Fragen: Warum wohl engagieren sich im Westen so wenige Menschen für den Klimaschutz und den damit notwendigen technologischen Veränderungen? Warum ist es ein kaum aktiv gelebtes Mehrheitsthema? Warum lässt die Erderwärmung so viele im Westen dennoch kalt? Und ich spreche nicht von denen, die hierzulande tagtäglich im Strudel des Existenzkampfes sind und die soziale Kälte bereits in vollen Zügen erfahren, denen das Wasser bis zu Halse steht, sondern von denen, die vermögend sind und wirklich etwas tun könnten.

Eine Antwort auf diese Fragen ist sicherlich nicht so sehr an der Information, am Wissen um den Klimawandel, am Informieren der Öffentlichkeit, an der Steigerung des Wissens der Öffentlichkeit um umweltschutzrelevante Zusammenhänge gelegen. Denn mit der Schaffung und Schärfung des Bewusstseins für Umweltschutz hat man wohl in erster Linie die Menschen des Globalen Südens und nicht die mit viel Informationen versorgten und mit viel Wissen ausgestatteten Menschen des Westens, des Globalen Nordens und der sogenannten entwickelten Länder im Blick - von den Leugnern abgesehen. Es liegt somit, neben der unmittelbaren Betroffenheit, vielmehr an der Bereitschaft und nicht an der Bildung.

Denn sehr viele Menschen hierzulande aber auch andernorts in der sogenannten entwickelten Welt hält von der aktiven Beteiligung am Klimaschutz die auf Bequemlichkeit gebaute Furcht davor ab, es könnte sich durch ihre aktive Beteiligung etwas an ihrem global gesehen vergleichsweise guten Leben, das sie "angefüttert" in den letzten Jahrzehnten so sehr gewohnt wurden, zum Schlechteren hin ändern. Drum tun sie lieber nichts - unterstützen Umweltschutzmaßnahmen und dafür eintretende Bewegungen höchstens passiv oder dulden sie gar nur - frei nach der Devise: "Never Change A Running System!". "Doch für wen rennt es eigentlich gut?", müsste man fragen.

Was Umweltschutz anbelangt, geht es also in der "entwickelten Welt" nicht um ein Bildungs-, Wissens- oder Informationsdefizit, das so viele Menschen abhielte sich aktiv am Umweltschutz zu beteiligen, auch nicht um den mangelnden politischen Willen, auf den man sich gerne hinausredet, sondern um die teils stark ausgeprägte mangelnde Bereitschaft jedes Einzelnen, etwas an seinen liebgewonnenen Gewohnheiten zu ändern, - braucht es doch, wie aus der Psychologie und unserem eigenen Leben bekannt, nur wenige Tage um eine Gewohnheit zu entwickeln, doch häufig viele Jahre, um diese wieder abzulegen - verbunden mit zur Alltäglichkeit gewordenen Annehmlichkeiten, die der vermögende Mensch des Globalen Nordens wie selbstverständlich genießt, alltägliche Privilegien, in deren Genuss die vergleichsweise wenigen Globalisierungsgewinner kommen, auf Kosten der Legionen an Globalisierungsverlierern, die dafür schuften und tagtäglich bluten.
Es scheint sich also auf einen Endkampf zuzuspitzen zwischen immer weniger Globalisierungsgewinnern und den in der Zahl immer größer werdenden Legionen an Globalisierungsverlierern, wobei weltweite Migrationsströme aufgrund der durch Umweltzerstörung unbewohnbar gewordenen Zonen nur die Vorboten sind.

Das rückt den Otto-Normal-Globalisierungsgewinner in der sogenannten Ersten Welt perspektivisch ein großes Stück in Richtung der Globalisierungseliten, die die Führungsetagen multinationaler Konzerne bevölkern und eben nichts am bestehenden System, besser wohl an der für sie bestens funktionierenden Maschinerie, ändern wollen, und, wie sie auftreten und argumentieren, ganz und gar nicht umzustimmen sind.
Es ist nachvollziehbar, wenn auch nicht verständlich - da jene Eliten zu gut und zu lange Unsummen mit der alten Technologie verdient haben - das Gros der deutschen Automobilindustrie ist ein Paradebeispiel dafür, dass ganz bewusst Jahrzehnte lang auf der Bremse gestanden wurde, was den Übergang zu umweltfreundlichen Technologien betrifft - und es ihnen viel zu ungewiss ist, ob sie nach der Umstellung auf neue umweltfreundliche Technologien damit jemals wieder so viel Geld scheffeln werden können, wie mit der altbewährten umweltschädigenden Technologie.

Denn mit Raubbau, Zerstörung und Vernichtung lässt sich in den Köpfen jener Eliten antizipiert viel mehr Geld machen, als mit Schonung, Erhalt und Nachhaltigkeit, ganz zu schweigen von den auf Raubbau, Zerstörung und Vernichtung bauenden für einige Wirtschaftsführer lukrativen militärischen Konflikten, die alle Konfliktparteien zur Aufrüstung zwingen. "Der Krieg ist der Vater aller Dinge", hallt es aus der griechischen Antike.

Doch Moment! Das allein genommen wäre zu kurz gegriffen, denn dazu kommt noch ein entscheidendes psychologisches Moment, wonach die altbewährte Technologie, die im Wesentlichen Umweltzerstörung, Ausbeutung von Mensch und Natur in Kauf nimmt, nur Ausdruck sozialer Unterdrückungsverhältnisse ist, womit Raubbau, Zerstörung und Vernichtung, letztlich Unterdrückung und Ausbeutung vielmehr dem entspricht, wie jene Wirtschaftselite nach oben gekommen ist, groß wurde und nicht zu vergessen oben geblieben ist. Das alles entspricht jenen viel mehr als ihnen jede neuartige nachhaltige Form der Technologie und des gedeihlichen Zusammenlebens verspricht.

Da nun keine Technik vom Himmel gefallen ist, sondern jede Technik dem Geist der Ingenieure und jener, die diese gut bezahlten Mitarbeiter für ihre Dienste entgelten, entspringt und dem entspricht, was sich jene vorstellen können, ist die Technologie, die wir entwickelt haben, die Technologie unserer Welt, im Wesentlichen nur der Ausdruck der psychische Verfasstheit unserer Welt und Gesellschaftsform, angeführt von viel zu vielen nur auf Gewinn orientierten und daher sehr oft asozialen Subjekten. Damit ist unsere herkömmliche Technologie, etwa der Verbrennungsmotor, im Gegensatz zu anderen umweltschonenden Technologien, die jedoch aus guten letztlich schlechten Gründen seit vielen Jahrzehnten unterdrückt werden, nur der Spiegel der Erdenbewohner, nur der Brennstrahl, an dem die Welt verbrennt.

Demnach werden sehr viele in den laut Wirtschaftsstatistik entwickelten Länder - die letztlich durch Raubbau und Umweltzerstörung im großen Stil erst zu entwickelten Ländern geworden sind - weit weniger aus Gründen der Auswirkungen des Klimawandels auf sie vom Umweltbewusstsein erreicht und ergriffen. Denn die Hauptlast der Auswirkungen der systematischen Umweltzerstörung tragen die Bewohner des Globalen Südens, denen das "Wasser" schon bis zum Kinn reicht.

So werden viele Bürger der sogenannten Ersten Welt und einstige Globalisierungsgewinner wohl erst von den Auswirkungen der globalisierten Umweltzerstörung erfasst, wenn sie feststellen müssen, dass sie sich aus sozioökonomischen Gründen vieles in ihrer Umwelt, das unseren Planeten schädigt und zerstört und in der Herstellung auf massiver Umweltschädigung beruht und damit unser aller Existenzgrundlage weltweit bedroht, nicht mehr leisten können. Das heißt, wenn sie finanziell abgehängt, aus dem Markt und an der Teilnahme am Markt gedrängt werden, weil die Produkte nur mehr für Wenige leistbar sind, die in ihren hohen Türmen und Gated Communities in den wenigen noch bewohnbaren Gebieten leben, in der "verbotenen Zone", wohin die übergroße Zahl der mittellosen Menschen aus den unbewohnbar gewordenen Zonen des Erdballs zu flüchten abgehalten wird, um sich in Sicherheit zu bringen.

Dann bedürfen jene Wenigen vor den Arbeitslosen und den immer ärmer werdenden "Working Poor", die "praktischerweise" für die Politik nicht in der Arbeitslosenstatistik aufscheinen, immer größeren Schutz, um jene Produkte und Technologien weiter zu nutzen, die so viele Ressourcen und so vieles schädigen und nachhaltig zerstören. Denn zynisch gesprochen verstehen genau das sehr viele Angehörige jener Wirtschaftseliten unter Nachhaltigkeit: Nachhaltige Zerstörung von Ressourcen und des sozialen Friedens, über die sie ihre Taschen füllen.

Um dem entgegenzuwirken, braucht es dringend einen Paradigmenwechsel, eine Abkehr vom verantwortungslosen neoliberalen Turbokapitalismus, der den Raubbau an der Umwelt und die soziale Ungleichheit weiter treibt und verschärft, hin zu einer verantwortungsvollen "Ökosozialen Marktwirtschaft", deren Modell bereits von der UN-Vollversammlung zur Korrektur der Auswirkungen des Neoliberalismus beschlossen wurde, zu dem leider viele an den Schalthebeln der Macht, vom Markt getrieben und auf Geldgier spezialisiert, im Sinne ihrer "Hinter-mir-die-Sintflut-Mentalität" nicht im geringsten ethisch bereit und dazu anscheinend auch nicht geistig im Stande sind.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Mittwoch, 29. November 2017

The Colony - Globalization Unmasked

Colonialism has never ended, proving most of historians wrong, since they have been trapped in the Euphemism Treadmill (Steven Pinker - Harvard University). Colonialism has never ended, only the words have, through relabeling. Colonialism has never ended, only the masters have, conducted by new - though not so new - players.

Today it's just called Globalization, working with the same power structures as in the heyday of the so-called Colonialism. So modern-day Colonialism is conducted by the new bullies on the block, namely the corporations, multinational corporations, which in former times - in terms of technology only less connected - were represented by the colonial powers, we can read much about.

Needless to say that so many of the corporations ruling the world today in our globalized world, ruled by global corporations, multinational corporations, are from the very same countries, which in the old days ruled over the world as colonial masters, exploiting local people and nature systematically, like corporations do in many regions globally today in our globalized world, ruled by multinational corporations, using the same power structures as in so-called Colonialism.

Since not the world has changed, only Colonialism has changed putting another mask on to deceive so many people, who think we improved as humans, delighted and fooled by globalization, overlooking that Colonialism only comes with new labels, new names, and new people using and filling the very old power structures and positions of Colonialism, ruling as Colonialism 2.0, to many people very well-known as Globalization, in which almost all the people worldwide are subjected to the new, but not so new, colonial masters, the multinational corporations, earning immense profits by ruling over their colony, the globalized world.

But there is a slight difference to former times: On the one hand these ruling corporations are truly globalized, in terms of coming not only from the West but more and more from the East, and on the other hand the scandalous human trafficking, nowadays peaking in slave markets in Libya, is just an expression of this Colonialism 2.0 connecting buyers and sellers in the blink of an eye.

Systemic Analyst and Philosopher
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Mittwoch, 15. November 2017

Das geschundene Dorf

Der Ton wird weltweit rauer, nicht nur innenpolitisch. Die Menschen, die Völker und ihre Lenker wollen nicht mehr miteinander, entflechten sich.

Die Beziehungen werden abgebrochen, die Brücken zum Einsturz gebracht, genauso wie die Illusion, die Menschen, die Völker und ihre Lenker könnten miteinander, zerbricht, in sich zusammenfällt, zusammen mit dem Teppich, der einst ausgelegt, das Geflecht, das weltumspannende Netz, das von Globalisierungsfreunden vor langer Zeit ausgeworfen wurde, das sich nun mehr und mehr zurückzieht, ausfranst, zerfleddert, angezündet wird, weil der Rückhalt in der Bevölkerung für ihr Konzept Tag um Tag mehr und mehr schwindet.

Wird doch immer klarer, auch immer mehr gut meinenden Gutmenschen, die - wohl großteils aufgrund schlechten Gewissens - all die Jahre einer Logik der globalen Umverteilung folgend, den Reichtum des Westens in den Rest der Welt trugen und dabei (vielleicht bewusst) übersahen, dass sie sich dort in jenen Ländern nur eine kleine Elite züchteten, die ihnen als Statthalter dient, sowie dass sie somit als Gutmenschen großteils unwissentlich, also instrumentalisierterweise, nur den Weg bereiteten, nur der Zuckerguss, das Feigenblatt waren, für "die anderen Globalisierungsfreunde", die im Hintergrund agier(t)en. Sie waren nur die idealistische Vorhut von Konzernen. So entging ihnen als grüne Speerspitze der Globalisierung, dass die Globalisierung die längste Zeit immer nur den Konzernen gedient hat, auf die sie hereinfielen, Konzerne, die im Schlepptau der allzu schöngeistigen "Rainbow-Warriors" als Heuschrecken kamen, über das globale Dorf hereinfielen, wie Räuber einfielen und es auch jetzt tun, nachdem sie all die Jahre abgewandert waren, zu Dumpingpreisen - nicht nur aber vor allem - in China unter menschenunwürdigen Bedingungen produzieren ließen und die Produkte zu Höchstpreisen im Westen verkauften.

Das Resultat daraus kennen viele von uns: Von den Eliten in diesen vielen Ländern abgesehen, zieht das heutige durch diese Praxis erstarkte und erwachte China - und dort auch lange nicht alle - wie ein riesiger Magnet alles Geld der Welt an sich, erinnernd an einen übergroßen unersättlichen Schlund, der alles Kapital verschlingt.

So ist die Welt zum Dorf geworden, das wegen der Entgrenzung, wegen des politisch gewollten Wegfallens der Grenzen, des freien Markts, ohne auf nennenswerte Gegenwehr zu stoßen zur leichten Beute wurde, zur Beute von Konzernen, die früher, bloß unter anderem Namen und viel kleiner, die Welt schon immer zu schinden und auszubeuten wussten, nur eben weniger vernetzt, und es nun mal die letzten Jahrzehnte im Zuge der Globalisierung, des scheinbar perfekten Zusammenwachsens der Völker zum globalen Dorf, besonders leicht hatten, weil es teils "gutmeinenden" Politikern nicht gelang die Akkumulation des Kapitals in jene Konzernhäfen zu stoppen, der schamlosen Bereicherung der Konzerne auf dem Rücken von Mensch und Natur, in welchen schutzlos ausgelieferten Gebieten nun auch immer, Einhalt zu gebieten, also die Konzerne in die Schranken zu weisen, die nicht viel mehr als Verwüstung mit sich brachten.

Es scheint nun in vielen Ländern der Lack ab zu sein, sodass die Menschen ihren Politikern nicht mehr über den Weg trauen, die großteils tatenlos zusahen, zusehen oder gar selbst Nehmerqualitäten bewiesen und auch heute noch beweisen, fürstlich dafür bezahlt werden, dass sie wegschauen, sich nicht einmischen und bloß gebetsmühlenartig sagen, man dürfe den Markt nicht beunruhigen, die Gesetze des Marktes nicht stören, nicht verschrecken, wie ein Wild - verschleiernd, dass die Gesetze des Marktes bloß die Gesetze des Tierreichs sind, das Gesetz der Straße, das Gesetz des Stärkeren, das Naturrecht; aber vielleicht ist das ja manchen genauso recht. Und zur Empörung jener Politiker und des Establishments scheint die Illusion, die Menschen, die Völker und ihre Lenker könnten miteinander und seien zudem beliebig ersetzbar, fungibel, austauschbar, - die Ghettoisierung, die Grüppchenbildung der Menschen um kulturelle Identität herum völlig negierend - zu zerbrechen, während des laut ratternden Raffens der Maschinerie, welche das Geld der Vielen in die Kanäle der Wenigen spült.

Was mich nur wundert, ist - außer man denkt ans Verlustiggehen ihrer Privilegien und Pfründe -, dass es die Vertreter jenes Establishments wundert, sie sich empört zeigen darüber, dass es den Menschen, den ausgebeuteten Massen, der geschundenen Natur reicht, dass eben immer Weniger immer reicher werden im Zuge dieses globalen Imperialismus, auch bekannt als Globalisierung. Es ist eine Form der Globalisierung, in der lokale Kultur, die oft keineswegs ideal ist, ohne Rücksicht auf Verluste aufgebrochen und unter dem Titel "Demokratisierung und Menschenrechte" gewachsene Identität gebrochen wird, um sie zu öffnen. Und wofür? Um das Volk, die Menschen vor Ort, dem Westen zu öffnen, gefügig zu machen, und letztlich zu braven Konsumenten und Abnehmern der Produkte jener Konzerne des Westens (bis hin zu Waffenlieferungen) zu machen - wenn auch immer mehr über den Osten -, um alle Welt ins westliche Gesellschaftsmodell überzuführen, das, obwohl es vom "Moral High Ground" aus argumentiert alle Welt wissen lässt moralisch überlegen zu sein, selbst von Moral und Ethik nichts wissen will, befreit davon agiert, ganz dem Turbokapitalismus entspricht und ihm frönt. Die Chinesische Führung trägt dabei das Ihre dazu bei weltweit mitzumischen, nur eben auf ihre Art.

Warum es besser sein soll, anstatt von verachtenswerten nationalen Despoten von einem weltweit agierenden Geldadel, der auftritt, wie er auftritt, - ob er nun im Westen oder in Fernost in Palästen haust - auf Erden regiert zu werden, von einer verschwindend kleinen Clique, auch bekannt als Gewinner der Globalisierung, die durch den Wegfall der Grenzen in grenzenlos große Absatzmärkte einfällt und exorbitante Gewinne erzielt, die sie - anders als sie Verluste verstaatlicht - jedoch für sich behält, bunkert, nicht mehr durch Steuern ins Gesellschaftssystem einspeist, entzieht sich meinem Verständnis.

Denn das Argument des Establishments gegen systemische Schließung von Staaten, dass Protektionismus, Nationalismus und Kleinstaaterei zu Kriegen führe, zieht nicht, weil in dieser beschriebenen Globalisierung, die zu einer Gesellschaft der Gated Communities und Bunkern führt, zu einer Dystopie - wie in nicht überragenden Noir-Filmen - am Ende die Revolution lauert, der Krieg um Verteilungsgerechtigkeit. Also Krieg wartet in beiden Fällen am Ende, so eben auch in einer konzerngeleiteten globalisierten Welt-Gesellschaft, in der zwar erfolgreich alle Völker ihrer Kultur beraubt, vereinheitlicht, auf Linie gebracht wurden, auf Schiene, jedoch nur um dem Zug des Turbokapitalismus westlicher Façon zu folgen, ihm zu huldigen und die Wenigen, denen dieser Turbokapitalismus nützt, in ihren mahagoniverkleideten Vestibülen und Elfenbeintürmen auf Händen zu tragen.

Der Grund, warum ich überhaupt noch solch kritische Töne anklingen lassen darf, liegt wohl daran, dass noch Restbestände der freien Meinungsäußerung existieren, die dem jahrzehntelangen Glattschleifen des Geistes und Duckmäusern durch politische Korrektheit über etablierte Medien, zum Zwecke der Beschwichtigung der Massen und letztlich des Kleinhaltens der Kritik sowie der sinnbildlichen Eliminierung der Kritiker, standgehalten haben.

Die Medien und Experten, die nicht viel Mitgefühl und Verbindung zu den Menschen, für die sie angeblich sprechen, erkennen lassen, also nicht mit den Menschen - höchstens über vorselektierte Fokusgruppen, die ihre Vorurteile bestätigen - sondern bloß voreingenommen von ihrer Bubble aus über die Menschen sprechen, tragen das Ihre dazu bei und sorgen noch dazu für Spiele, bei immer knapper werdendem Brot, damit das Establishment konzerndienlich schalten und walten kann, bis zum Schlechterletzt, zum Gehtnichtmehr. Natürlich steigt auch die soziale Unruhe, weil der Prozess, dass Massen(jugend)arbeitslosigkeit in weiterer Folge nahtlos zu Kinderarbeit und Altersarmut für die übergroße Mehrheit führt, noch nicht ganz abgeschlossen ist, und sich wieder Widerstand regt - auch und gerade über schwer kontrollierbare Soziale Medien - nicht zuletzt, weil der Warnschuss der kleingeredeten Weltwirtschaftskrise mit Beginn 2007 - anstatt die Situation ernst zu nehmen - von den Eliten bewusst überhört und seitens des Establishments dazu übergegangen wurde nach Kräften weiterzumachen, wie gehabt.

Dass sich die Menschen, die Nationen, die Völker, die Kulturen, dagegen auflehnen, auf sich besinnen und beginnen sich wieder zu schließen, sich zu entflechten, der Ton weltweit rauer wird, wundert mich dabei nicht im geringsten, ist diese Entwicklung doch von Grund auf hausgemacht.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Dienstag, 7. November 2017

Die Plünderer - Die Früchte der Aufklärung

Früher diente Vater Staat als Apparat, als Ordnungsmacht, als Ordnungsmuster, und Staaten fußten, basierend auf ihrem Nationsgedanken, auf ihrem nationalen Gedanken, der sich wiederum aus einem nationalen Gefühl der stammesgebundenen Zusammengehörigkeit seiner Stammesangehörigen speist(e) und immer wieder neu entfacht(e).

So sind sie voll ihres nationalen Gedankens alle paar Jahre gegeneinander in den Krieg gezogen, haben sich die Köpfe eingeschlagen, mit Bajonetten die Bäuche aufgeschlitzt und einander mit Kugeln, Mörsern, Bomben und Raketen eingeheizt und abgemurkst, allem voran hierzulande Deutschland und Frankreich, diese unselige Achse zu beiden Seiten des Rheins, die stets ihre Probleme - sowohl die internen als auch die miteinander - zum Problem von ganz Europa, was sag ich in Weltkriegen zum Problem der ganzen Welt machten, Europa, die Welt also mit ihren Problemen überzogen, sie in sie hineinzogen.

Und seit einiger Zeit, ein paar Jahren, ein paar Jahrzehnten - was ist das schon im Lauf der Zeit - wurde, um sich nicht erneut in die Haare zu kriegen, um erneuten Kampfhandlungen und Kriegen vorzubeugen, wieder federführend von Staatenlenkern Deutschlands und Frankreichs mehr und mehr dazu übergegangen die nationalstaatliche Idee, die erst wenige Jahrhunderte alt ist, in die Mottenkiste zu verbannen - das immer noch brennende Nationalgefühl in Frankreich als "La Grande Nation" sei mal dahingestellt - und ausgehend von den römischen Verträgen zuerst die EGKS, EG, schließlich die EU ins Leben gerufen, nicht zuletzt wegen der Atom- oder Wasserstoffbombe, die zu viele hatten und bis heute zu viele haben, als dass sich ein Weltkrieg "lohnt/e", noch ihn irgendeiner überlebt/e, um recht Profit daraus zu schlagen. So gab man sich fortschrittlich und ließ, über die Medien sichergestellt, alle Welt wissen, dass man nun miteinander kann.

Vater Staat im nationalstaatlichen Sinne hatte also als Ordnungsmacht, als Kontrollorgan - als nicht mehr opportun angesehen - mehr und mehr ausgedient, und wurde - ganz im Sinne der Globalisierung - nach und nach zurückgebaut, abgebaut, und - wie gesagt ganz im Sinne der Globalisierung - wurden die Ordnungsmacht, die Kontrolle, die Strippen, die Fäden an gut vernetzte global agierende Konzerne, deren Chefs und Vorstände, übergeben - von den Strippern ganz zu schweigen.

Es wurden also nach und nach, wie gesagt, etwa für die Souveränität eines Volkes essentielle Bereiche wie seine Sicherheitspolitik, Energie-, Wasser- und Ernährungssicherheit vom Vater Staat, der zunehmend verschuldet mehr und mehr in die Hände jener Konzerne geriet, immer mehr an eben jene Konzerne abgetreten. Die Rede ist von Multis, von multinationalen Konzernen, die als Antwort auf eingangs erwähnte vielfach als problematisch-nationale Bestrebungen gesehen und genommen wurden, doch mit dem Wegfall von Grenzen nur nationalen Problemen internationale Probleme zur Seite stell(t)en und als Exemplare eines erschreckenden Heuschrecken-Kapitalismus einfielen und einfallen, alles ausbeuten, und dann weiterziehen. Jene Konzerne haben mittlerweile auch die Politik soweit in der Hand, dass viele Politiker nur mehr auf die Rolle der Vermittler reduziert werden, die dem Volk erklären, was möglich, was finanzierbar ist, während etablierte Medien das Ihre tun zu erklären, was der "mündige Bürger" glauben und den am laufenden Band über die Medien verbreiteten Werbeeinschaltungen der Konzerne zufolge kaufen soll. Ein schaurig-schönes Schauspiel.

Man kann's gar nicht oft genug sagen: Weit haben wir's gebracht! Das ist aus der Idee der Aufklärung geworden, aus ihren Grundsätzen, Idealen, sodass alles nun der Marktmacht dient, die über immer und immer mächtiger werdende multinationale Konzerne, die im wohl bald abgeschlossenen Prozess der Aushöhlung der Souveränität des Staates gekrönt von der Machtübergabe von Staaten an jene multinationalen Konzerne, die die (neue) Ordnungsmacht stellen und "Gott sei Dank" anstatt herkömmlicher (Welt)Kriege, die - wie schon erwähnt, wegen A-Bombe & Co. im großen Stil weitgehend unprofitabel geworden sind - nun munter Wirtschaftskriege führen und den mündigen Bürger dazwischen zerreiben bzw. über etablierte Medien instrumentalisieren und über Politiker erklären, suggerieren, dass alles so sein müsse, wir in der "besten aller möglichen Welten" lebten, um einen Begriff Gottfried Wilhelm Leibniz' zu verwenden.

Doch Leibniz würde sich wohl im Grab umdrehen, angesichts unserer Errungenschaften, der Entwicklungen im Zuge derer die Sicherheit und Verteidigung, Energie-, Wasser-, Ernährungssicherheit an immer schon für ihre Moral berühmt-berüchtigte Kaufmänner, Händler, die nun im Zuge der Globalisierung und Vernetzung, durch Merger und Fusionen zu multinationalen Konzernen mit sehr und immer vermögenderen Chefs und Vorständen angewachsen sind, die unersetzlich, wie sie sich gemacht haben, alle vermögenden Bürger nicht nur über ihre Daten schröpfen, die sie als Konzerne in Händen halten, sich als Fans und Follower halten, sondern auch finanziell, nachdem sie die Wissenschaft großteils auf Auftragsarbeit reduziert haben.

Weit haben wir's gebracht...dass die Menschheit - ob sie davon nun weiß oder nicht - vom gutbetuchten Hofrat über die Verkäuferin, die mit zwei und mehr Jobs schauen muss, wie sie über die Runden kommt, bis hin zu weltweit Legionen und Abermilllionen an Sklaven, die nun als Erwachsene oder als in den Minen, Plantagen, Fabriken des globalen Südens schuftendes Kind von der moralisch hoch fragwürdigen Riege jener Wirtschaftselite regiert werden, der Vorstände jener multinationalen Konzerne, die sich - sollten sie sie jemals gehabt haben - irgendwo am Weg zur nicht ganz billigen Elite-Uni ihre Menschlichkeit und Empathie abgeklemmt, abgewöhnt haben. Bei jener Elite laufen die Fäden im Zuge der Globalisierung zusammen, und sie machen letztlich die Natur und das Gros der Menschen zu Freiwild, zu ihrem ganz privaten Freiwild, das sie ins Visier nehmen. Die Rede ist nicht von einer Verschwörung, keineswegs, - dafür ist zu offensichtlich, was geschieht - sondern von Wirtschaftseliten, deren Namen bekannt sind, die sich also nicht mal die Mühe machen müssen im Geheimen zu arbeiten, um die Welt zu regieren, sondern vor aller Augen, und die es offenbar nicht mal zur Moral schafft, von Ethik erst gar nicht zu reden.
Ich fürchte, diese Exemplare der Wirtschaftselite sind die Früchte der Aufklärung, wenn auch die verdorbenen.

Das ist aus der Aufklärung geworden. Das sind das die Früchte der Aufklärung. Wir haben es geschafft! Bald haben wir es geschafft alle Macht und Kontrolle in die Hände jener multinationalen Konzerne zu legen, zu übergeben, und die Wenigsten übergeben sich dabei. Angesichts der engen Verbindung zwischen Konzernen und Politik, zwischen die kein Blatt mehr passt, lässt sich im Sinne des politischen Wahlspruchs nur sagen: Wir schaffen das! Bravo, bravo, bravo! Wir schaffen das, dass es auch so bleibt!

So hat die Marktmacht im entfesselten Turbokapitalismus alles in Händen, angeführt von Raubrittern, die sich von der desaströsen Optik ihrer tagtäglichen Handlungen nur glaubhaft reinwaschen könnten, wenn sie einen Großteil ihres Vermögens in die Staaten, die sie zuvor plünderten per Steuern und Projekte zurückfließen ließen.

Man muss nicht mal tief in die Systemwissenschaft eintauchen, ins systemische Denken, um zu begreifen, dass es um den systemischen Rückfluss geht, in Staaten und Menschen, denen jene multinationalen Konzerne zuvor durch Steuerflucht/-vermeidung, Outsourcing und Abwanderung in immer noch willfährigere Staaten und Regionen, in denen sie Sklaven halten, die sie zuvor ihres Geldes, ihrer Rohstoffe, ihrer Perspektive beraubt haben und allenfalls weltweit nur eine kleine Elite vor Ort reich dafür bedenken, dass sie als Statthalter, als Marionetten-Regierung wegschaut und jene Konzerne vor Ort machen lässt, ihren Geschäften ungestört nachgehen lässt. Unterdessen versinkt die übergroße Mehrheit der Menschheit im Dreck, im Schuften für räuberische multinationale Konzerne zum Hungerlohn, im Raubbau an sich und der Natur, und bei Kritik reden sich Entscheidungsträger - wie schon in Marx'schen Zeiten - gern auf den angeblich allwaltenden übermächtigen Sachzwang raus, der dies eben verlangt, von ihnen abverlangt mitzuspielen, wegzuschauen, um nur ja keinen politischen Willen aufzubringen, aufkommen zu lassen.

Und geradezu zum Schreien ist daran, dass daher Ansätze wie etwa die Ökosoziale Marktwirtschaft, die es zwar seit vielen Jahrzehnten gibt, aus genannten Gründen in vielen der erwähnten Kreise nicht gern gesehen oder gehört werden, weil jene Ansätze wie die Ökosoziale Marktwirtschaft an die Stelle von kurzsichtiger Gier und ihrer Triebbefriedigung jene notwendige Verantwortung, das Gleichgewicht, den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit stellt, im Sinne einer verantwortungsbewussten Entwicklung für alle in einer Welt im Gleichgewicht.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Sonntag, 22. Oktober 2017

Das Erbe Francos - Demokratie à la Rajoy

Die jüngsten Ereignisse in Spanien, respektive Katalonien zeigen sehr schön auf, wie das Demokratieverständnis von Premier Rajoy aussieht, wie es um sein nationalistisches Demokratieverständnis steht, wie's in ihm aussieht.

Nachdem Mariano Rajoy schon im vergangenen Jahrzehnt als Retter der Einheit Spaniens auf die Bühne getreten, vorgestürmt, und im letzten Augenblick eingeschritten war, um separatistischen Bewegungen in Katalonien einen Riegel vorzuschieben, sie zu zerschlagen, als wesentliche Figur der damals gerade ins Amt gewählten Madrider Zentralregierung die ausgehandelten Abkommen über mehr Autonomie für Katalonien, die übrigens kurz vor dem Abschluss gestanden waren, durchkreuzt und für nichtig erklärt hatte, beruft sich Rajoy (damals wie heute) stets auf die spanische Verfassung. Rajoy pocht dabei darauf, dass das Unabhängigkeitsstreben der Katalanen verfassungswidrig sei, eine Verfassung, die jedoch keine Unabhängigkeit für Katalonien, keine Abspaltungsmöglichkeit vorsieht. Doch welche Verfassung weltweit sieht schon so einen Fall von Abspaltung eines Teils des Staatsgebiets vor? Dies wird immer als Staatsstreich gehandelt, immer als Putsch, sofern er nicht einvernehmlich geschieht, wie im Falle der ehemaligen Tschechoslowakei.

So kann wohl im Falle jüngster Ereignisse auf der Iberischen Halbinsel nicht von verantwortungsbewusster Politik gesprochen werden, sondern wohl eher von "der Rache des Rajoy", wenn Premier Rajoy nun gedenkt im Eilverfahren nach dem eindeutigen Ergebnis des Unabhängigkeitsreferendums vom 1. Oktober 2017 wieder wählen zu lassen - was sag ich - so lange wählen zu lassen bis er, Mariano Rajoy, zufrieden ist, bis das von ihm gewünschte Ergebnis bei den Wahlen am Ende rauskommt. Und wenn nicht, wenn's kein Einsehen gibt, nachdem er politische Gefangene gemacht, politisch Andersdenkende wie Charles Puigdemont eingesperrt und das abtrünnige katalonische Parlament aufgelöst hat, wird notfalls und im Falle von Rajoy wohl als erstes Mittel der Wahl - also vorzugsweise - mit Gewalt sichergestellt, dass die Bürger, die schon ihren Willen zur Abspaltung kundgegeben haben, von Premier Rajoy hinreichend eingeschüchtert nun das "Richtige" wählen, nämlich das, was Mariano Rajoy ihnen zuvor vor den Wahlurnen einprügeln hat lassen, womit er sich Potential für Widerstand züchtete bis hin zu neuem Terror und Bürgerkrieg.

Natürlich geschah und geschieht dies unter dem "wachsamen Auge" der Medien. Aber wo bleibt der mediale Aufschrei, wie geschehen etwa im Falle der Verfassungsänderung und deren autoritäre Umsetzung durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan in der Türkei? Etablierte Medien beweisen großteils Duckmäusertum und Double Standards, wie am aktuellen Fall deutlich wird, und können sich daher nur zu kleinlauten Kommentaren durchringen. Nicht besser sieht es auf EU-Ebene aus, wo das totalitäre Verhalten der Madrider Zentralregierung von EU-Granden geduldet wird, denen es anders als Premier Rajoy nicht vorwiegend um die Integrität der jeweiligen Nationalstaaten geht, auf die sie sonst gern verbal einprügeln, wenn gerade mal wieder irgendjemand der kleineren EU-Länder im Osten auf "dumme Gedanken" kommt, den Nationalstaat hervorhebt und nationalistische Ziele verfolgt.

Für gewöhnlich sind es dieselben EU-Granden, die sich raushalten aus dem Vorgehen der West-Konzerne gegenüber den neuen EU-Staaten im Osten, welche jenen neuen Ländern etwa die B-Ware an Nahrungsmitteln (die schlechtere Qualität) zukommen lassen, womit Brüssel offenbar jene EU-Bürger im Osten als Bürger 2. Klasse sieht - nicht nur in den dubiosen Subunternehmen in westeuropäischen Schlachthäusern & Co. als Leiharbeiter und Arbeitssklaven mit Micro-Gehälter, wenn sie überhaupt bezahlt werden und nicht nur ausgebeutet - und sich daher eine verantwortungslose EU-Führungsriege nur für eine freiwillige Selbstbeschränkung der West-Konzerne, dies nicht mehr zu tun, ausspricht.

Der "Brüsseler Zentralregierung" geht es wohl im Besonderen um den Wirtschaftsaspekt, unter dessen Gesichtspunkt Spanien, das ohne Katalonien wirtschaftliche Einbußen befürchtet, destabilisiert wäre. Spanien ist daher aus der Sicht vieler in der EU-Führung ein systemrelevanter Player, der als "too big to punish" angesehen wird, und demnach wird Spanien wohl fast alles, was sich die Madrider Zentralregierung ganz in der faschistischen Tradition der Franko-Diktatur in der Katalonienfrage leistet, milde nachgesehen.

So lässt nicht nur das Demokratieverständnis von Premier Mariano Rajoy sehr zu wünschen übrig - jedenfalls, wenn man von Demokratie was versteht - und offenbar ist das Demokratieverständnis von "Generalissimo" Rajoy von der Franco-Diktatur geprägt, die ihm wohl als Vorbild dient und die er noch im 21. Jahrhundert auslebt. Aber eigentlich erinnert diese bizarre Politik eher an eine in Europa gelegene Bananenrepublik, ein faschistisches Demokratieverständnis, das jedoch im 21. Jahrhundert nichts zu suchen hätte, oder vielleicht gerade als "New Normal" gestützt durch die EU-Granden wieder Einzug hält.

Doch faschistoid-nationalstaatliche Regime, wo die Mehrheit eine ethnische Minderheit in einer Zwangsgemeinschaft hält und die demokratischen Entscheidungsprozesse und die kulturelle Selbstbestimmung der Minderheit unterbindet und als Verbrechen am Nationalstaat ahndet - dessen Grenzziehungen vielfach die Machtverhältnisse von vor Jahrhunderten widerspiegelt - sind an zahlreichen Hotspots innerhalb Europas sichtbar, aber auch in der Türkei aktiv, wie am Beispiel des bislang vergeblich geforderten Kurdenstaates. Dies macht die Schwäche und die Demokratiefeindlichkeit eines autoritär-nationalistisch auftretenden Zentralstaates deutlich, in dem eine staatliche Mehrheit eine Minderheit unterdrückt.

Wäre nicht die aktuelle Situation die große Chance einer EU des Friedens, die Selbstbestimmung der Minderheiten zu ermöglichen und ein Europa der föderalen Regionen unter dem Dach der EU auch den Minderheiten zu gewähren? Das wäre eine zukunftsweisende Lösung, die so vielen ängstlich wirkenden EU-Granden nicht in den Sinn kommt, da sie sich offenbar noch an nationalstaatliche Ideen des letzten Jahrtausends klammern.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Old Boys' Network - Bist du dabei oder nicht?

"Old Boys' Network", diesen Begriff hörte ich vor vielen Jahren zum ersten Mal in Harvard, in einem Gespräch, das ich am Harvard Yard mit Herbert C. Kelman führte, einem liebenswürdigen Harvard-Professor für Sozialpsychologie, der als Wiener Jude einst in seiner frühen Kindheit vor dem Nazi-Regime in die USA fliehen musste, und den ich insbesondere als Friedens- und Konfliktforscher für seine sozialethische Forschung schätze, wie dargelegt in seinem populären Buch "Crimes of Obedience", welches das Dilemma beleuchtet, das ein Befehl - in welcher Hierarchie auch immer - auslöst, der gegen die Menschenrechte verstößt. So gebrauchte er den Begriff "Old Boys' Network" mit nachdenklicher Stimme und einem etwas abschätzigen Unterton.

Wenn man sich nun vorstellt, oder gar davon Kenntnis hat, dass so viele Gruppen weltweit - ob Studentenverbindungen, Kirchen, Sekten, politische Parteien, Führungs-, Vorstandsetagen und Gremien, was auch immer, gerade wenn es an die Nachwuchsgenerierung geht - davon leben Gemeinsames zu erleben, gemeinsam etwas durchzustehen, aber auch gemeinsam über rote Linien zu gehen, einander gemeinsam und wechselseitig zu drängen, zu nötigen die eigenen Grenzen zu überschreiten, sich Ritualen zu unterwerfen, die nicht nur jenseits des guten Geschmacks sind, sondern die insbesondere darauf abzielen über alle Grenzen zu gehen, auch und gerade wenn jene Praktiken und Mutproben im klaren Widerspruch zur Menschenwürde stehen - in Studentenverbindungen etwa läuft dies unter dem Begriff "Hazing" - dann wird eines daran deutlich: Dieses Vorgehen macht die Gruppe regelrecht aus, ist es doch aus Sicht der Gruppen geradezu für den Zusammenhalt notwendig, dass die Mitglieder gemeinsam diese Erfahrungen machen, gemeinsam Peinlichkeiten durchleben, Demütigungen ertragen, über das gemeinsam als schockierend Erlebte schweigen und sich über das Schweigen in Komplizenschaft begeben, fortan gemeinsame Geheimnisse teilen, diese hüten, weil man von einander in pikanten Situationen weiß, um einander und ein Leben lang in der Hand zu haben, auch und gerade wenn es um die Nachwuchsgenerierung der Elite geht, die von Schwulenclubs zu Bordellen wandert - hin und wieder zurück - wenn sie nicht gerade mit demütigenden Aufnahmerituale beschäftigt ist, deren Details ich Ihnen nun ersparen möchte, sind jene Hazing-Praktiken doch auch von Elite-Universitäten hinlänglich bekannt sind.

Ob nun etwa Fotos, Audios oder Videos währenddessen davon aufgenommen werden oder nicht, ist da fast schon unerheblich. Denn die gemeinsam durchlebte Grenzerfahrung, das hemmungslose Überschreiten von Tabus und Menschlichkeit, verbunden mit dem oft lebenslang gefühlten schlechten Gewissen der daran Beteiligten - sofern sie nur dabei waren und nicht federführend - wegen der gemeinsam ertragenen, verübten und getragenen Schandtaten, genügt in den meisten Fällen schon völlig, um einander aktiv oder passiv lebenslänglich unter Druck zu setzen und am betreten-gebückten Gang jene zu erkennen, die dabei waren.

Da braucht es gar keine Dokumentation dessen, was begangen wurde, was alles in unserer ach so entwickelten Ersten Welt hinter den Kulissen vor sich geht, wenn die Öffentlichkeit gerade nicht hinschaut, was sich in einer "Elite" abspielt, die längst schon und vielleicht immer schon, nichts mit Elite - den Auserwählten, den Lichtgestalten - zu tun hatte, sondern bloß Establishment war und ist und diese beschriebenen hinter den Kulissen betriebenen Methoden für normal hält, als "Part of the Game", und letztlich als gängige Praxis der Teambildung, des Zusammenschweißens von Menschen zu gut funktionierenden Gruppen versteht, erlebt und allen verordnet, die nicht standhaft bleiben. Und denen, die es vermögen sich dem Druck und Gruppenzwang zu widersetzen, weil sie diese Praktiken mehr als seltsam erleben, wird der Ausgang gewiesen, die Tür gezeigt.

Denn nur mit Menschen, die solches und noch weiteres widerspruchslos über sich ergehen lassen, dabei mitmachen, dies aktiv betreiben oder passiv mittragen, lässt sich nun wirklich alles machen, jede Spitzenposition besetzen, die Welt regieren. Sind sie doch für alles zu haben und - man könnte sagen - für nichts zu gebrauchen. Doch das wäre zu einfach, viel zu einfach. Denn jene Menschen, die das alles mitmachen und mittragen, sind für alles zu haben und für alles zu missbrauchen.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Dienstag, 3. Oktober 2017

Die Pervertierung der Demokratie

Das Verhalten der spanischen Zentralregierung im Falle des Referendums in Katalonien am 1. Oktober 2017, also die aus Madrid angeordnete Gewalt der Guardia Civil und der Nationalpolizei, die aus ganz Spanien nach Katalonien beordert wurden gegen Zivilisten vorzugehen, die ihr demokratisches Recht zu wählen wahrnehmen, ist ein Musterbeispiel, wie eine zentralistische Regierung sich mit aller Vehemenz an die Macht klammert und ihre Felle davon schwimmen sieht.

Mir ist schon klar, dass die Argumentation der Zentralregierung in Madrid hinsichtlich des Referendums vom 1. Oktober 2017 die des geltenden spanischen Rechts ist, wonach das Referendum illegal sei. Doch wenn geltende Gesetze die Zentralregierung in Madrid dazu ermächtigen, ihr ermöglichen "legalerweise", also ungestraft, gegen ihre eigenen Bürger, die sie ja im Land halten wollen, mit brutaler Gewalt vorzugehen, weil sie eine Wahl treffen, zu einer Wahl gehen, die aus Sicht der Zentralregierung nicht legal ist, sind die geltenden Gesetze der Zentralregierung in Madrid hochgradig zu überdenken. Denn sofern die Wahl vermuteterweise weit weniger Rückhalt in der Bevölkerung Kataloniens hätte, wäre dies wohl für die Zentralregierung in Madrid kein Anlass gewesen, die Menschen von den Urnen wegzuprügeln. Daran wird auch mehr als deutlich, dass nicht alles, was rechtens ist, auch richtig ist, und dass geltendes Recht letztlich positives Recht ist - und nur zur Sicherheit sei erwähnt: nicht "positiv" im Sinne von "positiv" und "negativ", sondern aus dem Lateinischen "positum" ("gesetzt") stammend, im Sinne von positionieren, also gesatztes, gesetztes Recht, ein von Menschen gemachtes Recht. Und nach welchen Kriterien gesatztes, gesetztes, gemachtes Recht? Genau, gemäß der gerade geltenden Machtverhältnisse, ein demgemäß geltendes Recht.

Das sich abzeichnende Bild ist, dass eine Wahl samt vermutetem Ausgang, die der Zentralregierung in Madrid gefällt, genehmigt wird, und falls sie nicht gefällt, wird sie nicht genehmigt, und wenn sie dennoch durchgeführt wird, wird mit scheinbarer demokratischer Legitimität die Guardia Civil und Nationalpolizei dafür missbraucht auf Zivilisten einzuprügeln, weil sie wählen gehen, von denen sonst erwünscht ist, dass sie ihre Stimme zu Themen bei Wahlen abgeben, sofern das vermutete Resultat im Sinne der Zentralregierung in Madrid ist, also unter Berufung auf die Verfassung der Zentralregierung in Madrid gefällt. Der transportierte Subtext jener Politik: Demokratie und Wahlen gern, aber sie werden nur dann erlaubt und geduldet, wenn sie der Macht derer dient und den Machterhalt garantiert, die bereits an der Macht sind.

Dies gibt ein Zerrbild von Demokratie ab, und macht das autoritäre Demokratieverständnis der Zentralregierung in Madrid deutlich, eine Pervertierung der Demokratie, wie man dies sonst nur von außereuropäischen Wahlen kennt, blickt man etwa von Osteuropa weiter gen Osten, oder auf das, was sich gerade im Golf von Guinea zuträgt oder etwa im Nordirak. So dient Demokratie den Mächtigen als Feigenblatt für Gewaltexzesse gegen nach Souveränität und Abspaltung strebende Minderheiten, und die Verfassung verkommt dabei gar zu einem überdimensionierten Gummiparagraphen, um staatliche Willkür und Gewalt gegen Bürger zu legitimieren, gegen Bürger, die nicht "richtig wollen", nicht "richtig wählen", sondern die Unabhängigkeit wählen, weswegen die sich wohl zu Recht in Frage gestellte jeweilige Zentralregierung dazu übergeht, die Menschen in jenen Regionen mit Gewalt zwangsweise im Staate bzw. Staatenbund zu halten, in Liaison mit dem Gros etablierter Medien, die sich durch ihr hörbares Schweigen oder gar Rechtfertigung jenes üblen Treibens nicht gerade mit Ruhm bekleckern und damit bloß zeigen, dass sich viel zu viele der etablierten Medien vorwiegend auf Staatsraison und Hofberichterstattung der Mächtigen verstehen, damit wiedermal trotz ihrer Aufgabe neutrale Berichterstattung zu leisten nur Schlagseite beweisen, und wohl nur mutig werden, wenn es darum geht auf Kleine zu hauen, die sich schlecht wehren können.

Zu allem Überfluss ist auch das unrühmliche und letztlich höchst bedenkliche Schweigen der EU-Kommission demokratiepolitisch gefährlich, einer EU-Kommission, die sonst alle Welt ermahnt, sofern solch gezeigtes Vorgehen kleine Staaten betrifft, mit Sanktionen und Ausschluss droht, nur jetzt, wo es einen großen EU-Staat namens Spanien anbelangt plötzlich kleinlaut wird, bloß ein kleines Murren hören lässt, worin, wenn man genau hinhört, so argumentiert wird, dass man sich als EU-Kommission nicht in innere Angelegenheiten von EU-Staaten einmische, was jedoch selbige EU-Kommission sonst nicht davon abhält bei jeder Gelegenheit und Ungelegenheit kleinere EU-Staaten und "neue" EU-Staaten bei gleich schwerwiegenden oder oft kleineren Vergehen öffentlich zu geißeln und zu bedrohen und sich in jenen Fällen nicht aufgrund innerer Angelegenheiten zurückzuhalten.

Es wirkt ganz nach Double Standards innerhalb der EU, nach augenscheinlicher Doppelmoral. Und im Falle von Spanien, das heißt der Zentralregierung in Madrid, scheint es sich aus der Sicht der EU-Kommission und Staatenlenker um eine Regierung einer Nation zu handeln, die "Too big to punish" ist, ganz im Sinne von im Finanzwesen angewandter Politik von: "Too big to jail". Mit anderen Worten gilt hier wohl gemäß geltenden Rechts das schon im römischen Reich schlagende Prinzip: "Quod licet Iovi, non licet bovi". Zu Deutsch: "Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Rindvieh nicht erlaubt". Anders ausgedrückt: "Was dem Großen und Mächtigen erlaubt ist, ist dem Kleinen und Machtlosen noch lange nicht erlaubt". Dies scheint das eigentlich waltende und vorherrschende Prinzip innerhalb der EU-Kommission zu sein sowie in den Köpfen vieler europäischer Staatenlenker und eben nicht die von jenen sonst so beschworenen demokratischen Werte und aufklärerischen Ideale.

Zu groß wiegt wohl das Damokles Schwert über den Köpfen vieler europäischer Länder, wo sich ebenfalls Regionen abspalten und nicht der jeweils zentralistischen Regierung unterwerfen wollen, sondern nach Autonomie oder Souveränität streben. Zu sehr haben diese europäischen Staatenlenker wohl selbst Butter am Kopf, zu sehr fließt sie ihnen die Stirn herunter, zu sehr fürchten sie wohl Kritik an ihrem Vorgehen gegen ihre eigenen abtrünnigen Regionen, wenn sie sich nun in "innerspanische Angelegenheiten" einmischten, und wie sonst entschieden gegen das gezeigte Verhalten der Zentralregierung in Madrid geschlossen vorgingen. Zu groß ist wohl ihre Angst, dass die von ihnen stets beschworene Solidarität in der EU zerbröselt.

Danke, jetzt weiß ich, und vielleicht wissen's nun auch andere endlich, was Solidarität in der EU bedeutet, was aus dem Munde der europäischen Kommission und Staatenlenker, die stets Solidarität beschwören, Solidarität denn eigentlich für sie heißt, was also die längste Zeit damit gemeint ist und war: Man hilft einander, wo es geht, die eigene Bevölkerung zu unterdrücken, und wenn sie allzu demokratisch wird und trotz Verbot wählen geht, geht man gegen die eigene Bevölkerung vor und die anderen Staatenlenker sehen weg, tun so, als hätten sie nichts gesehen und beschwören die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, aber nur diesmal, nur wenn's große Staaten selbst betrifft, nur wenn sich's um Probleme mit aufmüpfig wählenden Bürgern innerhalb großer Staaten handelt. Denn im Falle von staatlicher Gewalt gegen Bürger in kleinen Staaten ist es dann wieder Grund genug zur Einmischung in innere Angelegenheiten seitens eben jener EU-Kommission und Staatenlenker, die sich über ihre gezeigte Doppelmoral lächerlich machen und daran arbeiten, jegliche Legitimität und den Rückhalt in der Bevölkerung einzubüßen, und die aus Mangel an Kompetenz, Ideen und Lösungen ihre Kompetenz darauf beschränken gewaltsam gegen ihre (sie ab)wählende Bevölkerung vorzugehen und diese mit Gewalt zwangsweise an sich zu binden bzw. diese gewaltsam unter ihre Herrschaft zu zwingen.

Angesichts der beschriebenen konzertiert durchgeführten gewaltsamen Gemengelage des Bizarren, der Gewalt des Staates gegen den wählenden Bürger - ein Leichtes, wenn auch ebenfalls problematisch, wäre es gewesen, das Wahlergebnis wiedermal nicht anzuerkennen, keine Gewalt wäre von Nöten gewesen - zusammen mit dem verdächtigen weitgehenden Schweigen der übrigen Staatenlenker im Sinne der "Appeasement Policy", kommt mir jener Satz des Malers Max Liebermann in den Sinn, der bei der Machtübernahme der Nazis 1933 in Deutschland beim Anblick des Fackelzugs der Nazi-Schergen durchs Brandenburger Tor in Berlin gesagt haben soll: "Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte."

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Dienstag, 26. September 2017

Politische Korrektheit als Herrschaftsinstrument

Politische Korrektheit ist mehr als ein Ausdruck eines Friedensprojekts, mehr als ein Aufruf zum Friedenserhalt und gedeihlichen Miteinander, mehr als eine Maßnahme zur Sicherung des sozialen Friedens, denn Politische Korrektheit steht im klaren Widerspruch zur freien Meinungsäußerung, verdammt jeden dazu sich seine Meinung nur mehr zu denken - sofern sie von der als Mehrheitsmeinung proklamierten Meinung des Establishments abweicht - da's irgendwo irgendjemanden geben könnte, der sich von der geäußerten Meinung in Frage gestellt und provoziert fühlen könnte - und genau genommen: diesen jemand gibt's immer irgendwo.

So dient Politische Korrektheit der Nivellierung des Geistes, der Gleichmacherei der Menschen und ihrer Geister, der Vereinheitlichung des Denkens und soll über Massenmedien sicherstellen, dass jeder das Gleiche denkt, alle das Gleiche sagen und Pluralität, die unbequem ist, nur das Establishment in Frage stellt und ihm darüber gefährlich werden könnte, möglichst kleingehalten und unterbunden wird.

Politische Korrektheit ist aber mehr als das alles. Sie ist eine Maulsperre, damit die Vereinheitlichung in Wissenschaft, Medien und Kultur ungehindert voranschreiten kann - denn in all diesen Bereichen hatten wir schon weit mehr Vielfalt und damit Unruhe, und damit Meinungsvielfalt und Fortschritt, und nicht nur, wie heute, den Fortschritt in immer die gleiche Richtung, in Wissenschaft, Medien und Gesellschaft, Vereinheitlichung bis zum Gehtnichtmehr, immer mehr vom selben - um mit Friedrich Nietzsche zu sprechen, die "Ewige Wiederkunft", die ewige Wiederkehr des Gleichen - damit der Fortschritt des Establishments unangefochten bleibt.

So ist Politische Korrektheit nur ein Instrument des Establishments, dass sich im Zuge dieser Vereinheitlichung auf ihre Linie niemand mehr seines eigenen Geistes bedient und es nicht wagt den vom Establishment verhängten Vorgaben im Geiste zu widersprechen, und - wenn man es gar nicht lassen kann - es tunlichst leise, ohne Worte zu tun, nur im stillen Kämmerlein, im Keller, im Panikraum - sollte einer vorhanden sein - wo einen keiner hört, wo man dem Fortschritt des Establishments nicht im Wege steht.

Politische Korrektheit ist somit bloß ein Instrument die Kritiker zum Schweigen zu bringen unter dem Deckmantel der "Sicherstellung des sozialen Friedens", der jedoch nur bedeutet dem Establishment zuzusehen, wie es ungeniert regiert, und keine Kritik am Establishment, der herrschenden Klasse zu üben und aufkommen zu lassen, die schon lange überwiegend sich selbst dient, und wie über lange Zeit betrieben, über die Agenten des Gutmenschentums mit dem Establishment im Rücken, weil sie dessen Meinung, Ansicht, auf der Straße, in den Lokalen, Cafés, Kaufhäusern, Zusammenkünften aller Art vehement vertreten, und jeden Abweichler im Umfeld ermahnen und verbessern.

So bedienen sich Politische Korrektheit und ihre Vertreter Methoden der Bespitzelung und zögern nicht lange im Falle kritischer Töne seitens all jener, die etwa anderer Meinung sind, diese zurückzupfeifen, zu maßregeln und als sonst was zu bezichtigen.

Dies erfolgt(e) alles unter dem Titel der Wahrung der Demokratie, des Friedens, des sozialen Friedens und der Ordnung, wodurch nur mit den besten schlechten Absichten der Unterdrückung von Meinungsvielfalt und von Kritik an den Mächtigen, am Establishment, über Jahrzehnte Tür und Tor geöffnet war.

Somit war und ist der Terminus "Politische Korrektheit" mit allem, was dazu gehört, ein "demokratiepolitisches Instrument", mit Hilfe dessen, unter dem Vorwand "der Wahrung der Demokratie", die Demokratie ausgehebelt wird oder zu einer Metternich-Demokratie verkommt, worin kein kritisches Wort fallen darf, nichts Kritisches über die Lippen kommen darf, niemand mehr was sagen darf, was ihm nicht endlos viele Berater vorgelegt haben, was nicht zuvor durch endlos viele Filter ging, um zu garantieren, dass am Ende ja nichts mehr rauskommt, außer ein nivellierter Einheitsbrei, der berechenbar und sicher ist, so berechenbar und sicher, dass das Establishment, die herrschende Kaste und ihre Politik und Staatsführung sicher nicht in Frage gestellt wird.

Politische Korrektheit kann demnach kaum als demokratieerhaltende Maßnahme angesehen werden, sondern als getarnt "demokratiefeindliches Instrument", das Machterhalt über auch medial betriebene gesellschaftliche Vereinheitlichung verfolgt, das Establishment schont, nicht mal vor Bespitzelung per Instrumentalisierung jedes willigen Bürgers zur Umsetzung der "Politischen Korrektheit"-Doktrin zurückschreckt und Staatsführung damit zur kritiklosen Stadtführung verkommen lässt, da "alle" kritischen Stimmen zum Schweigen gebracht wurden und werden.

Der Guide in dieser Stadtführung, Staatsführung mit Politischer Korrektheit, also das Establishment mit seiner etablierten medial verbreiteten Meinung, zeigt nur das bestmögliche Bild der Stadt, des Staats, und will nur das Posterfoto per Schönfärberei gesehen haben, verbannt alle Kritiker in den Keller.

So kommt dann doch bei Politischer Korrektheit, wie betrieben, das Bild in den Sinn eines mit Maulkorb versehenen und dazu noch unter Maulsperre leidenden mündigen Bürgers, der in einer Light-Version der im ostasiatischen Raum gelegenen, weltweit größten (kommunistischen) Diktatur lebt, mit Zensur und Bespitzelung all inclusive.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Dienstag, 19. September 2017

"Uns geht's gut!"

Menschen in der Öffentlichkeit, oft auch Politiker, generell also Menschen, denen es gut geht, sagen gern, "uns geht's ja eh gut", weil sie in ihrer unglaublichen Intelligenz, die geradezu überquillt und von fast nichts zu übertreffen ist, von sich auf die ganze Welt schließen, auf ihr Land, auf ihre Stadt, auf die Menschen, und eben genau jene, nennen wir sie "Uns geht's ja gut"-Menschen, werfen dann mit dem ausgestreckten "Mahnefinger" denen, welchen es auch gut geht, oft Politikern, die aus diesen und jenen Gründen für die Menschen sprechen, denen es jedoch nicht so gut geht - über die Politiker interessanterweise gemeinhin gern nur als "die Menschen" sprechen - strafend vor, sie seien Populisten.

Genau das rückt den Populisten in das für ihn schmeichelhafte Licht, dass er für die Menschen, denen es nicht gut geht, spricht und sich für sie einsetzt, während die, die anderen Populismus vorwerfen, davon sprechen, dass es "uns" eh gut geht, und verwechseln, dass es nur ihnen gut geht und ihrem unmittelbaren Umfeld, ihrer Welt, von der sie auf die ganze Welt schließen, von ihrer Bubble, der es auch deshalb gut geht, weil es so vielen nicht gut geht.

So verhelfen irrwitzig intelligente Menschen in der Öffentlichkeit, auch Staatenlenker gehören teils dazu - generell Exemplare eines ganz bestimmtes Typus Mensch - mit ihrer Ignoranz den Nöten der Menschen gegenüber, einer Kombination aus Unfähigkeit und Untätigkeit sugar-coated mit unglaublicher Intelligenz und Voraussicht, was sich in Formulierungen wie "uns geht's eh gut" zeigt, dem Populisten erst zur Macht und können als die Helfershelfer der Populisten angesehen werden, wenn auch wider Willen.

Somit und kurzum: Was bringt den Populisten letztlich an die Macht? Die Ignoranz der Macht, die ihm vorausgeht und den Weg bereitet, also der Mächtigen, die ähnlich der Aristokratie vor der Französischen Revolution Stück für Stück daran arbeiten, sich selbst abzuschaffen und vom Volkszorn eines Tages einen Kopf kürzer gemacht zu werden.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Montag, 11. September 2017

Krieg der Medien

Ein chinesisches Sprichwort lautet: "Mögest du in interessanten Zeiten leben." Und ich denke, wir leben in so einer Zeit.

Wir leben in einer Zeit, die an Polarisierung kaum zu übertreffen ist, aber so wie ich die Menschheit kenne, wird sie das auch noch schaffen. Und die Spannungslage, die zwei Fronten und Pole, stellen ein Sittenbild dar, wenn auch ein schauerliches und ruft daher Konstruktivisten, Ideologiekritiker sowie systemische Denker auf den Plan.

So verkünden die einen Nachrichtenstationen und Blätter - sie bilden die Mehrheit, jedenfalls derzeit noch - zu ein und demselben Vorfall die Fakten, die für sie die Wahrheit sind, also was man glauben soll. Die anderen Nachrichtenstationen und Blätter berichten ebenfalls über ein und denselben Vorfall, nur eben ganz anders, ziehen andere Schlüsse, präsentieren andere Fakten, eine andere Wahrheit, und drängen darauf, dass man ihnen Glauben schenkt.

Dazwischen befindet sich der ach so mündige Bürger, der Konsument, der stets weiß, wie's rennt. Er ist den medialen Marktschreiern relativ schutzlos ausgesetzt und in den meisten Fällen ihrer Propaganda letztlich ausgeliefert, hin- und hergerissen - es gilt ihn ans eigene Ufer zu ziehen. Beide Fronten in diesem Medienkrieg, in diesem Krieg der Medien, in diesem Krieg der Weltbilder, der Weltdeutungen, bezichtigen sich gegenseitig der Lüge, beschimpfen einander Teil der "Lügenpresse" zu sein, also Fake News.

Doch alles, was als Fakt erscheint, rüberkommt, präsentiert wird, ist bloß der für wahr angenommene Ausschnitt der Wirklichkeit mit den daraus gezogenen Schlüssen und daher hochgradig von der Interpretation und der "Standortgebundenheit der Erkenntnis" (Wissensoziologie - Max Scheler, Karl Mannheim) sowie dem "Vorverständnis" und "Vorwissen" (Martin Heidegger, Hans-Georg Gadamer) desjenigen, der die Fakten bringt und desjenigen, der sie vernimmt, abhängig, auch wenn man davon, wie viele Medienkonsumenten, nichts weiß.

Wenn man also Ideologie und die dahinterliegenden Interessensgruppen, die sich über Nachrichtenstationen und Blätter gerne Gehör verschaffen und ihrem Dafürhalten nach sich selbst als die Guten (friend-foe-scheme) erleben und ausgeben - mit der Wahrheit im Köcher, die in Wahrheit getränkten Pfeile auf die Ungläubigen, die Andersdenkenden mit Inbrunst abfeuern - also ihre Propaganda und Manipulation der Massen betreiben - für "das Gute" versteht sich - in der Lage ist wegzudenken, auszublenden, wird für den geneigten Leser eines sichtbar: Auch wenn die Manipulation der Massen durch dahinterstehende Interessensgruppen kein neues Phänomen ist, sie im 20. und 21. Jahrhundert nun durch neue Massenmedien eine viel invasivere Dimension erfahren hat, drohen gerade im Westen, der sich selbst für die entwickelte Welt hält, durch das hochpolitisierte Sperrfeuer so vieler in führenden Nachrichtenstationen und Blättern, die Früchte der Aufklärung, das "Sapere Aude!" (Wage es deine Weisheit zu gebrauchen!), bei diesem medialen Kriegsgetöse auf der Strecke zu bleiben.

Und ironischerweise gerät gerade die Vorherrschaft der Mehrheit der etablierten Medien, die nunmal sicher nicht rechts ist, just in der Phase massiv ins Straucheln, an dem das über Jahrzehnte betriebene Infragestellen von Autoritäten - die Maxime und Grundlinie vieler linker Gruppierungen - so weit gediehen ist, dass dieses kritische Hinterfragen von allem und jedem weite Teile der Bevölkerung erfasst hat, und die Kritik somit nun auch die etablierten Medien in ihrer bislang unangefochtenen Prädominanz erreicht hat, besonders durch Social Media und damit das Ausfransen der Informationskanäle und die Vervielfältigung und Verbreitung von Meinung.

Somit wurden die über lange Zeit eine Monopolstellung der Informationsvermittlung genießenden etablierten Medien, wenn sie auch ihre "Seid kritisch Millionen!"-Maxime auf konservative und traditionalistische Kräfte gerichtet hatten, die sie mit Bestrebungen wie Bildungsoffensiven und Demokratisierung damit richten oder zumindest ihrer Macht und Pfründe berauben wollten, selbst nun Opfer ihrer eigenen Revolution, der permanenten Revolution, die nun eben auch ihre Kinder, ähnlich der Französischen Revolution, als etablierte links gerichtete Medien, auffrisst.

Wenn man all das für einen Moment aus der Gleichung ausklammert, bleibt einfach nur, dass sowohl die eine Seite, die einen Nachrichtenstationen und Blätter, mit ihren dahinterstehenden Interessensgruppen, deren Ideologie, Werthaltung und Weltbild, als auch die andere Seite, die anderen Nachrichtenstationen und Blätter, mit wiederum dahinterstehenden Interessensgruppen, mit deren Ideologie, Werthaltung und Weltbild, verzweifelt und vehement um die Aufmerksamkeit der Zuseher, Leser und Konsumenten buhlen.

Denn auch der Linkste all jener Schreiberlinge, der Linkste all jener Sender und das Linkste all jener Blätter, so links er und sie auch immer tönt und sich gibt, ist dennoch eingebunden ins kapitalistische System und muss sich irgendwie, ob direkt oder indirekt finanzieren, und das geht nunmal am besten durch die Clickrate, die auflagendienliche mediale Effekthascherei und die Befriedigung von Sensationslust, sowohl der eigenen als auch der Rezipienten, und schlicht durch die bewusste oder unbewusste Selbstinstrumentalisierung für eine wie auch immer geartete politische Agenda, während man sich als neutral sieht und die eigene Wahrnehmung, die eigene Interpretation des Geschehens für objektiv hält, für die Wahrheit ausgibt und ständig von Fakten spricht, und etwa ganz auf Konstruktivismus, Erkenntnistheorie, Ideologiekritik, Cartesianismus, sowie auf das Augenscheinliche im Museum der Wahrnehmung und die Erkenntnisse der menschlichen Biologie vergisst, worin bekannt ist, dass wir die Dinge nicht so sehen, wie wir sie sehen, sondern auf dem Kopf stehend, und erst unser Intellekt, unser Verstand, das Bild, das wir mit unseren Augen sehen und für wahr halten, dieses Bild umdreht, das wir dann für wahr halten, für die Wahrheit, für fest und manifest, als wäre es wirklich so, und nicht auf dem Kopf stehend, obwohl es nichts anderes ist als unsere Konstruktion.

Und weil so viele davon nichts wissen und viele davon nichts wissen wollen, sind sie felsenfest auf einem politischen Kreuzzug, im Zuge dessen sie sich im Recht wähnend die Wahrheit, die Fakten, die Objektivität in die Welt bringen wollen, der Welt, zu der wir (spätestens seit Immanuel Kant) keinen unmittelbaren, also direkten Zugang haben, sondern der durch unsere Wahrnehmung verfälscht ist, wovon wir wüssten, wären wir gebildet und nicht nur informiert von der einen oder der anderen Informationsquelle, ergo Nachrichtenstationen und Blätter.

Da dem aber im Regelfall nicht so ist, die meisten sich für gebildet halten und oft auch noch durch Universitäten gestützt "selbstimmunisiert" (Ernst Topitsch) werden, missbrauchen so viele die Medien für ihre unlauteren, unethischen Zwecke und ziehen, wie so viele in den Medien heutzutage, hochpolitisiert und mit Schaum vorm Mund, der Hetze verschrieben, gegeneinander in den Krieg, obwohl sie gut daran täten nicht auf die medialen Kriegstrommeln zu schlagen, sondern ihre klaffenden Bildungslücken zu schließen, womit sie ein Leben lang zu tun hätten.

Vom ideologiekritischen Standpunkt aus gesehen ist es hilfreich, wenn man Fake News wahrnimmt und über entsprechende Gegenmaßnahmen nachdenkt, mindestens eine 3-Teilung zu treffen, gestaffelt nach dem Schweregrad der sozialen Beeinflussung bzw. des daraus entstehenden Schadens für die betroffene Person/Gruppe.

Mein zur medialen Selbstkritik anregender Vorschlag eines "Fake News Identification and Analysis Systems" (FIA-System) formuliert folgende 3 Kategorien (Cat.1/Cat.2/Cat.3), aufbauend auf dem Cat.0 - Basiswert als Referenzgrundlage - die die Abweichung von diesem weitgehend neutralen Basiswert Cat.0 beschreibt:

  • Base Value Cat.0 - Weitgehend neutrale Darstellung - ausgehend vom wissenschaftlich-redlichen Versuch eine neutrale Sicht (Cat.0) auf eine Person, eine Gruppe, ein Ereignis, eine Situation unter Vermeidung von vorgefassten ideologisch gefärbten Unterstellungen. Diese Kategorie, die selbst nicht in die Kategorisierung der Fake News fällt, sondern sich um eine 360°-Beschreibung von Personen/Ereignissen bemüht, ist als Referenzgrundlage Cat.0 in die Systematisierung einzuführen und für folgendes Referenzsystem der Kategorisierung der Fake News in Cat.1/Cat.2/Cat.3 heranzuziehen.
  • Fake News Cat.1 - Subtile Fake News: Fake News, die im öffentlichen Bereich ideologiegeleitet (subtile) Manipulation zur Sicherung etablierter Deutungshoheit über Massenmedien betreiben, aber auch über Soziale Netzwerke (Bots) veröffentlicht werden.
  • Fake News Cat.2 - Persönliche Diffamierung/Üble Nachrede: Soziale Phänomene der Ausgrenzung (Mobbing), wie in Schule/Beruf, über Social Media mit der Absicht eine bestimmte Person bzw. konkret gefasste Gruppe persönlich zu diffamieren und in ein gesellschaftlich schlechtes Licht zu rücken.
  • Fake News Cat.3 - Crime Fake: Frei erfundene Unterstellungen krimineller Handlungen auf Basis von ins Kriminelle weitergesponnenen Anschuldigungen.

Die Grenzen zwischen den formulierten Kategorien sind fließend und können in Zwischenstufen differenziert werden, was etwa bei Cat.0.5 News bereits eine tendenzielle Berichterstattung bedeutete. Doch die Fake-News-Forschung steht erst am Anfang.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Mittwoch, 6. September 2017

Wenn die Demokratie zur Diktatur wird

Früher oder später wird es weitgehend Zensur geben und zwar nicht in der klassischen Diktatur - an die jetzt viele denken mögen, nein, da gibt es sie schon, hat lange Tradition - sondern in der Demokratie, in der hochgelobten Demokratie, und zwar mit dem Zeitpunkt, an dem die Menschen die Bildung, oder sagen wir das Wissen, das sie genossen, zu sehr anwenden, also zum Hinterfragen nutzen. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem das Hinterfragen zu weit geht, an dem das Hinterfragen genau so demokratiezersetzend eingestuft wird wie etwa terroristische Aktivitäten. Und vom wem?

Die Rede ist von den jeweils Regierenden, da zu diesem Zeitpunkt im Zuge des Hinterfragens, das es wert ist so genannt zu werden, auch diejenigen ausgiebig hinterfragt werden, die in der Demokratie das Sagen haben, die die Informationen verbreiten, das Wissen erzeugen, die Bildung vermitteln und ironischerweise die längste Zeit zum Hinterfragen anregten, weswegen sie dann, wenn sie selbst hinterfragt werden, den Hahn schnell zudrehen, von Fake News sprechen, weil ihnen die Deutungshoheit aus den Händen gleitet, womit sie, unter dem Vorwand die Demokratie bewahren, retten zu wollen, doch nur um ihre eigene gepflegte Haut zu retten, die Demokratie zur Diktatur mutieren lassen, zur Diktatur der Fakten, die ihrer Aussage gemäß der Meinung entgegen stehen und damit die Meinung wieder unterdrücken.

Doch die Fakten, liebe Leute, sind letztlich nur die etablierte Meinung derer, die oben sitzen und es so gesehen haben wollen, wie sie es uns sehen lassen wollen. Sie nennen es 'Fakten' und alles andere, was von ihrer Sicht abweicht, demgemäß 'Unwahrheit' oder gar 'Lüge'. Das müssen Sie mir nun übrigens nicht glauben, denn ich spreche nicht von Fakten, sondern bloß von meiner Meinung und Einschätzung.

So ist der Vorwurf der Fake News nur ein Propagandainstrument zum Zwecke des Machterhalts und letztlich eine Folge der Demokratisierung, und der Wissensdemokratisierung, worüber jeder so weit ermächtigt wird, dass jeder 'alles' weiß, oder über das Internet jeder zum Experten wird, Experte in 'allem', keiner mehr Experten der herkömmlichen Art braucht, Experten somit ihre Funktion, ihre Rolle, ihre Macht einbüßen, ihr Monopol auf Wissen, das ihnen garantierte, dass es ohne sie nicht geht, dass man sie braucht, dass man nicht um sie herumkommt.

Der Vorwurf von Fake News ist also ein selbstgeschaffenes Resultat derer, die es nun kaum fassen können, dass ihnen die Felle davonschwimmen und sich die auf ihr Betreiben gebildeten Massen nun gegen sie richten, indem sie ihnen nicht mehr ungeschaut aus der Hand fressen, nicht mehr unkritisch alles schlucken und nachbeten, was sie ihnen die längste Zeit vorkauten und predigten. Sondern die erstarkten Massen hinterfragen sie nun, hinterfragen also diejenigen, die die Informationen bringen, die bislang weitgehend unangefochten das brachten, was man glauben sollte, und nun 'plötzlich' hinterfragt aus allen Wolken(städten) fallen, die sie bevölkern, weil sie nicht damit rechneten, dass die von ihnen (aus)gebildeten Massen irgendwann das propagierte Hinterfragen auch auf sie anwenden und anfangen würden zu fragen, warum man das, was sie ihnen bringen, denn glauben sollte.

Damit einher geht, dass nicht nur diejenigen, die die Informationen verbreiten und einander der Fake News bezichtigen, hinterfragt werden, sondern auch die, die das von jenen eben Genannten verbreitete so 'hochgeschätzte' Wissen erstellen, an Instituten, an Universitäten ausbrüten. Sie werden nun ebenso hinterfragt, und auch dahingehend wer ihre Auftraggeber sind, wer hinter ihnen steht, für die sie das Wissen erzeugen oder besser lukrieren, da die Freiheit der Wissenschaft, sofern sie denn je bestand, seit der Einflussnahme von Konzernen auf Institute und Universitäten zu Grabe getragen wurde und damit die Vielfalt in der Wissenschaft, und letztlich im Geiste und der Gesellschaft, auf die Vermarktung, die Vermarktbarkeit von Erkenntnis reduziert wird, Kreativität auf Innovation, und so nur mehr das unmittelbar amortisierende, der schnell zu Geld machbare Gedanke und nur eine eben solche Forschung von multinationalen Konzernen finanziert wird, von denen immer mehr Institute und Universitäten kontrolliert werden.

"Einflussnahme hat's immer schon gegeben!" - bitte keinen historischen Fehlschluss begehen - doch die Akkumulation des Kapitals und damit die Konzentration der Macht auf immer weniger verbleibende Konzerne, in einer Fusionsschlacht, führt dann zu einer exponentiell zunehmenden Akkumulation der Einflussnahme. Der Amerikanisierung der Wissenschaftswelt auch am europäischen Kontinent sei 'Dank', die suggeriert (Turbo-)Kapitalismus nicht als Ideologie anzusehen, und ihn daher als alternativlose, faktengestützte, realitätskonstituierende - glaubt man den sogenannten Experten - geradezu naturgesetzliche Wahrheit anzusehen und zu akzeptieren, und nicht als bloße soziale Konstruktion, die der Kapitalismus nun mal ist.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Sonntag, 3. September 2017

Gut bezahlte schlechte Arbeit

Wir werden von einer Wirtschaftselite regiert, die Politiker vorschiebt die Verantwortung für die Taten, das Fehlverhalten dieser Wirtschaftselite zu übernehmen, währenddessen jene Elite im Hintergrund bloß in Zahlen denkt und daher in ihrer Kurzsicht darauf fokussiert ist die Kosten klein zu halten, damit die Qualität zu senken, und die so die großen Probleme von morgen schafft. Nur dass wir uns richtig verstehen - für so viele Bereiche gilt: Die Kosten im Einzelnen klein zu halten, schafft die großen Probleme von morgen für die Vielen.

Weil geprägt von Sunzis Die Kunst des Krieges nun jene Wirtschaftskaste bestehend aus Betriebswirten, die zwar von Betrieben, Konzernen und deren Überleben etwas verstehen - wie am besten der für sie "feindlichen Umwelt" alles abzuverlangen, herauszureißen ist, wie Gewinne zu privatisieren und Verluste zu verstaatlichen, wie Staaten gegeneinander auszuspielen sind, stets mit der Drohung beim Hinterfragen ihnen aufgezwungener Bedingungen in ein anderes Land, in ein Land der (noch) Willfährigen abzuwandern - doch nichts von den Menschen versteht, von der Gesellschaft, den Zusammenhängen, also nicht systemisch denkt, sondern fraktioniert und partikulär, reduziert diese Wirtschafts(krieger)kaste, die ganze Gesellschaft mit ihren Standards, das Miteinander, auf Kennzahlen, die es, was die Kosten betrifft, aus ihrer Sicht um jeden Preis klein, gering zu halten gilt.

Doch übersieht diese Wirtschaftskaste dabei (wohl ganz bewusst) einen wichtigen Punkt: Menschen kosten. Sie sind kostbar; und in Systemen lohnt sich vieles, was teuer ist, auf lange Sicht, und vieles, was billig ist, hält nicht allzu lange. Weil sich nun diese Wirtschaftselite dessen bewusst ist, es aber nicht wahrhaben will, könnte man meinen, dass so viele Wirtschaftslenker um jeden Preis diesen Kostenfaktor zu eliminieren versuchen, nicht indem sie menschenwürdige Lösungen für alle anbieten, sondern bloß für wenige, und immer weniger, und die Kosten unter allen Bedingungen drücken, indem sie den Vielen erst die Jobs, dann die Würde und das Leben nehmen.

Und weil die ganze konzertierte Malaise aufeinander abgestimmt sein will, treffen sie sich zur Besprechung und Planung alljährlich in Davos, Alpbach und in Jackson Hole, wo sie am kollektiven "Schwarzen Loch" werkeln, in das sie die Legionen der Armen stürzen, die Überreste der Mittelschicht abrutschen lassen und verscharren, ein Schwarzes Loch, das sie zuvor die, die ihnen ergeben dienen, ihre Politik verteidigen, für sie schaufeln lassen, um ihnen erst am Schluss den Todesstoß per Tritt zu verpassen und sie wissen zu lassen, dass auch sie als die braven Diener ihrer mehr als vermögenden Herren nicht und niemals in deren Gated Community Platz finden sollten.

Wer nun sagt, dass dieses Schwarze Loch, in das die Mehrheit der Menschen wegen jener Wirtschaftselite schlittert, zu schwarzgemalt ist, den frage ich: Was rechtfertigt die fürstliche Bezahlung dieser Elite, wenn sie trotz oder gerade wegen ihrer "Kompetenz" und "guten" Ausbildung an diesem immer mehr in Schieflage geratenden Schiff, auf dem wir uns befinden, nichts ändern wollen oder können? Und wer nun fragt, wer, wenn nicht jene Elite sollte uns, das Erdenvolk, regieren? Den frage ich zurück: Warum sollte man jener Wirtschaftselite weiter vertrauen, weiter folgen, sie weiter machen lassen wie bisher, wenn sie doch über die Jahre erfolgreich unter Beweis gestellt hat, im besten Fall, in der bestmöglichen Auslegung ihrer Motive mit der Lage völlig überfordert zu sein? Denn wie sie Jahr für Jahr erneut beweist: Einen derart schlechten aber sehr gut bezahlten "Job", als Funktionär dieser globalen Elite, könnte wohl wirklich jeder machen.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Sonntag, 27. August 2017

Die Spirale der Ungleichheit

Ich sage nicht, dass die führenden Wirtschaftslenker nicht wüssten, was sie tun, die EZBler, FEDler, Weltbänkler und sonstigen leitende BWLer führender Konzerne, in Börsen und Handelsorganisationen und dergleichen - Sie haben wohl meinen Punkt erfasst - denn dafür sind sie zu kompetent in dem, was sie tun. Ich sage nur, dass das, was sie tun, nur wenigen dient, und immer weniger, dass also die Probleme, die wir haben, aufgrund der Kompetenz dieser Personen bestehen, das heißt, dass die Kompetenz jener führenden Personen dazu führt, dass die Massen verelenden, da der Eid, den jene Personen geschworen, als sie das Amt zugeschanzt bekamen und antraten, verbunden ist mit ihrer Verantwortung dem Geld gegenüber, um jeden Preis, und nicht den Menschen gegenüber besteht.

So haben wir viele Probleme weltweit nicht wegen der Inkompetenz jener führenden Personen, sondern gerade wegen ihrer Kompetenz, und weil die aktuell führenden Personen in diesen Positionen, asozial bloß dem Geld verschrieben, nur ähnlich Asoziale, denen sie vertrauen, von Elite-Unis, wo sie sicher sein können, was für eine asoziale Qualität sie sich holen, in diese weltweit führende Kaste an asozialen Elementen, Betriebswirten und Co. hineinhieven, und so mit ihnen diese Spitzenpositionen der Finanzwelt besetzen.

Bei jenen, dank Elite-Unis und leitenden Personen in diese Top-Positionen stets nachrückenden Asozialen, hilft es dann auch nichts, dass zumindest in deutschsprachigen Landen die Betriebswirtschaft wie so oft an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaft angesiedelt ist, da aus Sicht so vieler BWLer - und offenbar gerade jener in weltweit führenden Positionen - Soziologen und genau genommen auch Volkswirte, die Übrigen an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, als gefährlich sozial und nachhaltig denkend angesehen und eingestuft werden und damit verglichen mit ihnen als führende Betriebswirte sicherlich als zu wenig asozial wahrgenommen werden, womit man meinen könnte, dass die Zusammenlegung jener Studienrichtungen in die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät ein geschickter Schachzug jener ist, die die Wirtschaftswissenschaften, dominiert von der Betriebswirtschaft, damit für den Otto-Normal-Bürger weit sozialer darstellen wollen, als sie sind.

Kurzum (und alle, die es brauchen, mögen sich nun bitte aus dem von mir gebrauchten stilistischen 'Wir' einfach rausreklamieren): Wir haben also weltweit die Probleme, die wir haben, weil wir von einer Kaste von Betriebswirten regiert werden, deren führende Kompetenz darin liegt, die besten ihrer Branche zu sein, das heißt die Asozialsten zu sein, welche sich stets aus neuen Asozialen von Elite-Unis speisen und rekrutieren, damit die Lage der Welt nicht sozialer und gerechter wird, sondern immer asozialer und ungerechter, sich die Spirale der Ungleichheit exponentiell zunehmend abwärts dreht, also die Kluft zwischen Arm und Reich immer tiefer wird und sich Macht und Geld auf immer weniger Menschen konzentrieren, was immer mehr Menschen in die Verelendung stürzt.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Dienstag, 22. August 2017

Wie der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wurde

Die Herrschaft der Popen wurde im 20. Jahrhundert per Demokratisierung erfolgreich abgeschüttelt, und damit der unerbittliche Zugriff des Klerus. Die Menschen wissen nun und glauben nicht mehr, und kommen sich nicht zuletzt durch Smartphone+Co. unglaublich schlau vor. Dass sie dennoch alles, was sie scheinbar wissen, nur zu glauben wissen, das wissen sie oft nicht.

Auch wissen sie oft nicht, dass sie das, was sie von Wissenschaftern vorgekaut und vorgesprochen bekommen, bloß verdauen und nachplappern und dies nur tun, weil sie zuvor dem Klerus alle Autorität und Kompetenz entzogen und seither den Wissenschaftern zusprechen, die ihrerseits oft vergessen, dass sie an das, was sie Wissen nennen, auch glauben müssen, da ihnen sonst ihr ganzes schönes Wissen nichts nützt, nichts sagt, es nichtssagend ist.

Man muss also an Wissen glauben, damit Wissen Wissen wird. Glauben bekommt man nicht weg, nur weil man ihn den Popen und Pfaffen entzieht. Doch da viele das nicht wissen, steigt die "Intelligenz" der Menschen ins Unermessliche. Alles muss bemessen, berechnet werden. Was nicht berechnet, bemessen werden kann, durch Kennzahlen etc., das "gibt's auch nicht", gipfelnd in CNN's Mostly Human, worin Experten andächtig befragt - statt mit dem nassen Fetzen davongejagt -, ob sich Menschen in Roboter verlieben könnten, dies bejahen: "I feel like it's inevitable".

Wer wie jene Wissenschafter derart fortgeschritten ist, in ihrer Logik der Technizität so sehr steckt, trotz Überbevölkerung, obwohl es so viele Menschen gibt wie nie zuvor, niemanden abbekommt und sich dann auf die Roboter stürzt, auf deren Kreationen, ist es angesichts der Not und Verzweiflung aufgrund seines/ihres vielleicht verkümmerten jedoch existenten Fortpflanzungswunsches nachvollziehbar, aber dennoch seltsam, und wenn man jenen Wissenschaftern Sendungen widmet und sie zum Idol kürt, bedenklich.

All das wurde erst möglich durch den Machtverlust von Popen und Klerus mit ihrem eisernen Griff. Zu glauben die Menschen wären, wenn sie sich aus den Klauen der Kirche befreien, befreit werden, wirklich frei, ist naiv. Sie wurden nur von gewissen den Wissenschaften nahestehenden Kräften aus dem Griff der Kirche gerissen, nahtlos ins Glaubenssystem der Wissenschaft übergeführt und sind nun, über die letzten Jahrzehnte ungeheuer gebildet, fest im Griff der Wissenschafter, und nicht zuletzt in der Hand der Wirtschaft, der Auftraggeber der Wissenschafter, der Konzerne, die nur das finanzieren, was ihren Reichtum mehrt und ihre Macht ausbaut.

Aber das kennen wir doch von Popen und Klerus, wären wir gebildet und hielten uns nicht bloß für gebildet, weil wir von Wissenschaftern und Konzernen vorgekaute, vorselektierte, markt- und konzerndienliche Informationen, zu Wissen zusammengeschustert, an Fachhochschulen, Colleges und mittlerweile auch Universitäten erwarben.

Weil gerade die Menschen im Westen - und nicht nur im Westen vom Westen - mit jenen Informationen, über unkritische Medien gestützt und verbreitet, gefüttert, sich aufgrund akademischer Abschlüsse gebildet und über Smartphone+Co. ungeheuer schlau vorkommen, entgeht ihnen, dass seit dem Kontrollverlust der Kirche, mit ihrem unerbittlichen Moralkorsett, und ihrer unfreiwilligen Übergabe der Stafette der Macht an die Wissenschaft und Konzerne, sukzessive Begriffe wie Moral, Sitte, Anstand, Tugend auch nur anzusprechen selbst unanständig wurde, und Menschenrechte, im Wesentlichen die Erfindung der Linken, als Korrektiv ungezügelter Märkte angesichts der Gesetze des Marktes nicht recht greifen wollen.

Somit wurde zwar das Regulativ, die Moral des Glaubens, oft bloß die Furcht bei Fehlverhalten nicht in den Himmel zu kommen, ewige Höllenqualen zu erleiden, mit der Kirche im 20. Jahrhundert über Bord geworfen, doch naive Befürworter des Wissens, der Befreiung der Massen und dessen, dass mit Wissen Vernunft einhergeht und letztlich Ethik, ethisches Verhalten, machten offenbar die Rechnung ohne die Massen. Denn die Massen können oder wollen seit jeher nicht selbstgesteuert sein, wollen vielmehr irgendjemandem hinterherlaufen, am liebsten dem, der ihnen sagt, wo's lang geht, an den sie dann ihre sie so sehr belastende Verantwortung nur allzu gern übertragen.

So trat durch die Entmachtung der Kirche, gleichzeitige Befreiung der Massen und Bildungsoffensiven, nicht Vernunft und Ethik an die Stelle kirchlicher Kontrolle, sondern bloß der Markt in seiner entfesselten Form, der Turbokapitalismus.

Diese so strukturierten Märkte sollen nicht gestört, nicht durch Regularien beunruhigt werden, jedenfalls nach Auffassung vieler Politiker, sondern man hat als braver Bürger dem freien Spiel der Kräfte, den angeblich selbstregulierenden Märkten zuzusehen, wie sich dadurch immer mehr Marktanteile und damit Macht und Geld auf immer weniger Konzerne konzentrieren, während die Verelendung der Massen immer mehr, immer schneller, immer besser vonstattengeht.
Zudem ergeht an Philosophen, Theologen, Humanisten, all jene, die noch bei Trost sind, die Forderung sich gefälligst aus Dingen rauszuhalten, von denen sie nichts verstünden, die Märkte tunlichst nicht zu stören, sondern ungehindert schalten und walten zu lassen. Man solle sich viele brave Politiker zum Vorbild nehmen, die offiziell viel Geld dafür bekommen, sich rauszuhalten, wegzuschauen, den Anschein zu erwecken, sie vertreten das Volk.

In diesem Trauerspiel namens Globalisierung angeführt vom Turbokapitalismus, der über den Wegfall des Gegengewichts Sowjetunion (ohne diese zu rechtfertigen, hat sie dafür doch zu viel Dreck am Stecken) als hegemoniales Gesellschaftsmodell noch einen Turbo zugelegt hat, werden Begriffe wie Moral, Anstand, Sitte, Würde, Tugend eliminiert, weil sie der Akkumulation des Kapitals, dem obersten 1% bloß im Wege stehen.

Im global vernetzten System geht's bloß darum, dass Colleges, Fachhochschulen, Universitäten schnell unkritische Massen züchten, die rasch einsetzbar, fungibel, verwertbar, austauschbar sind. Weil nun jenen "Züchtungen", aufgrund ihrer systemisch beabsichtigt schnellen und gezielt schlechten Ausbildung, kaum Zeit zum Hinterfragen bleibt, entgeht ihnen, wie sehr ihre gewollt lückenhafte Ausbildung, auch Spezialisierung genannt - damit ja keiner den Überblick hat und gefährlich werden kann - ganz der Hire&Fire-Doktrin des Weltmarktes dient, plus Quick&Dirty-Qualitätsprinzip, worin der Einzelne nichts zählt, nur eine Zahl darstellt, nichts zählt als eine Nummer zu sein, ein ersetzbarer, jederzeit wegrationalisierbarer Kostenfaktor. Der Einzelne ist in dieser Logik wegwerfbar, im Turbokapitalismus, der vielen schadet und nur wenigen dient, worin der Einzelne hineingetrieben, ein Getriebener ist im Getriebe.

Obgleich es darin "immer mehr, immer schneller und immer besser" heißt, hat der Einzelne immer schneller immer weniger, nicht nur an Zeit, sondern auch am Teller, und ihm geht's immer schneller schlechter, zeitlich, psychisch, körperlich, von Lebensqualität ganz abgesehen, denn Qualität ist schlecht messbar.

Wir leben im Turbokapitalismus, der die Welt antreibt, vor sich hertreibt, der als Grundlage den Sozialdarwinismus hat, worin - als Selbstlegitimation - Anpassung ans System mit Intelligenz gleichgesetzt wird, weswegen Immoralität, Anstandslosigkeit, letztlich die "Gesetze der Gosse" salonfähig werden, jeder jedem jederzeit das Messer in den Rücken rammt, für einen kleinen Vorteil, den er daraus zieht, sich dadurch auch noch für intelligent, schlau etc. hält und dafür gesellschaftlich ein Schulterklopfen bekommt, because he seized the opportunity.

Damit geschieht eine Nivellierung der Welt aufs ethisch höchst bedenkliche unterst denkbare Niveau. Die Gesetze des Marktes sind bloß die Gesetze der Straße, und die, die sie verfechten und verteidigen, bloß gnadenlose Naturrechtler, Totbeißer, wenn auch in Anzügen, und ich habe bei Leibe nichts gegen Anzüge, die tragen nämlich keine Schuld, anders als viele, die sie tragen.

So wird im Turbokapitalismus auf Hochtouren nur der niederste Trieb bedient, die Schwellenländer, allem voran China, geben den Takt vor, dass alle Welt (wieder) deren Arbeitsbedingungen bekommt. Kontrollmechanismen, sofern entwickelt, werden ausgehebelt und Sozialdarwinismus geadelt und belohnt, indem durch die fatale Gleichsetzung, Anpassung=Intelligenz, den Massen vermittelt wird sich an ein solch asoziales System anzupassen sei intelligent, angeführt von äußerst asozialen, gemäß dieser Logik äußerst intelligenten Subjekten, die innerhalb der Gesetze die Märkte und damit die Gesellschaft kontrollieren, Gesetze, auf die ihre Lobbyisten laufend maßgeblich Einfluss nehmen und damit deren Treiben legitimieren. Jene müssten sich äußerst dumm oder "knauserig" anstellen, um jemals mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Aus Sicht der Konzerne, Lobbyisten+Co. heißt's: "Ach, wie gut, dass niemand weiß...", dass sie die eigentlich Asozialen sind und niemand von diesen Zusammenhängen weiß. Und ich sage mit Homer's Polyphem aus Odysseus: Es war "Niemand"...
"Niemand" wusste es, und damit wusste es zumindest einer. Ich denke, es gibt da draußen viele Niemands, die klar sehen, oder es zumindest ahnen, was vor sich geht.

Systemischer Analyst und Philosoph
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Donnerstag, 20. Juli 2017

Kumbaya

Globalisierung, oder vielmehr die von vielen Seiten sowie auf vielen Seiten von zahlreichen Blättern und Medien propagierte Bilderbuch-Seite der Globalisierung in Form von 'die Welt wächst zusammen, Grenzen werden geöffnet, überwunden und aufgehoben, die Welt wird vernetzt, die Welt wird zum Dorf, die Welt wird zum vernetzen Dorf', frei nach der Maxime 'Wir haben uns doch alle so lieb', ist der kläglich durchschaubare Versuch gewisser Eliten die Welt, die Völker dieser Welt, dazu zu bringen, dass sie sich mögen, während erst vor ein paar Jahrzehnten sie sich noch mit Vorliebe, was sag ich voller Begeisterung die Schädel eingeschlagen haben, dem Stand ihrer Bewusstseinsentwicklung entsprechend, natürlich raffinierter als mit Stock und Stein, also mit ausgereifter Technologie und dergleichen.

So tun viele auch nur bei diesem Schauspiel - nennen wir es Globalisierung - mit, weil es wegen der Verbreitung der Atomwaffen, die nun viele auch noch so kleine Mächte haben - würde es zu einen richtigen Krieg kommen, wie wir es über die Jahrtausende gewohnt sind - ein relativ kurzer Krieg werden würde, jedoch mit langen Auswirkungen, und man würde uns noch weit aus dem All heraus sehen, strahlend wie wir sind.

Im Wissen darum hat sich die Mehrheit der Menschheit mit ihren Nationalismen darauf konzentriert den Anderen, wenn auch nicht atomar, mit allen anderen Mitteln fertig zu machen. Die Rede ist davon, dass die Globalisierung großteils nichts anderes ist als die Verlagerung des Krieges vom Schlachtfeld auf die Wirtschaft und ihre Felder, auf die Märkte, die Börsen, auf den Welthandel, der jedoch nichts anderes als ein Schlachtfeld ist, der, wenn auch nur wirtschaftlich, ganze Nationen in die Knie und Knechtschaft, also letztlich in die Sklaverei zwingt und sie dort in Fesseln hält.

Und dies geschieht, während gewisse Leute - man nennt sie auch Schönredner, Schöngeister, die vielleicht sogar damit erfolgreich sind - nicht nur sich, sondern auch vielen anderen entsprechend Vorbelasteten, die auf ihr Rosabrillen-Gedöns stehen, darüber hinwegtäuschen und weismachen, dass wir uns alle lieb haben, und wenn noch nicht, dass wir uns alle lieb haben sollen müssen, in Verkennung dessen, dass noch vor wenigen Jahrzehnten und ein paar Generationen sie einander abgeschlachtet haben, und sich auch heute noch die Mehrheit der Menschen am liebsten direkt am Schlachtfeld bekriegt, oder wenn sie das nicht kriegt, einander auf den Feldern des Welthandels ausbeutet und natürlich in den Spielhöllen, vor den Schirmen über Tötungssimulationen, auch bekannt als Ego-Shooter, oft vom Militär zur Angewöhnung und subtiler Rekrutierung bereitgestellt und gefördert, sowie im Ring, am Spielfeld, in den Arenen der Stadien, stellvertretend durch Gladiatoren, die verkauft werden, wir nennen sie Legionäre, einander liebend gern vernichtet und das Gesicht des Anderen in den Dreck drückt.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann
Systemischer Analyst und Philosoph

Freitag, 7. Juli 2017

Vernetzung hat viele Gesichter

Wir leben in einer Welt, in der zunehmend alles vernetzt wird, verknüpft, verbunden, und wie wir wissen, ist in einer Welt, in der alles vernetzt ist, oder sagen wir, Vernetzung alles ist, die Verbindung alles und nicht nur die gute, die schnellere Verbindung, sondern auch einen guten und schnellen Draht zu den Mächtigen zu haben, denn Vernetzung, Verbindung, ist nichts anderes als Beziehung, und die ist bekanntlich alles.

Somit verhindert die zunehmende Vernetzung nicht Korruption oder Finanzbetrug, sondern fördert sie sogar, indem Vernetzung Geschenkgeber und Geschenknehmer, aber auch Kunden und Betrüger zusammenbringt, und zwar immer besser und schneller, glasfaserschnell. Das sollte glasklar sein. Denn die Überweisung auf ein Offshore-Konto etwa auf die Cayman Islands dauert nur den Bruchteil einer Sekunde.

Natürlich ermächtigt, beschleunigt dieser Prozess auch die, die was gegen Korruption und Finanzbetrug einzuwenden haben. Aber die Grundannahme ist ja bei vielen, dass es wegen der zunehmenden Vernetzung auch zunehmend weniger Korruption und Finanzbetrug gäbe, weil eine oberflächliche Betrachtung von Vernetzung diese mit Transparenz und der Möglichkeit der Kontrolle durch die Vielen gleichsetzt. Doch mal ehrlich, die Vielen sind nicht an dem Punkt, dass sie Korruption und Finanzbetrug verhindern könnten, sondern sie sind meist nur passive Nutzer der Technologie und Vernetzung. Also jagen nur technologisch hochaufgerüstete Korruptionsjäger immer besser und schneller die ihrerseits immer besser und schneller vernetzt agierenden Korrumpierten und Finanzbetrüger, was die Jäger aber dennoch hinterherhinken lässt.

Somit ist Korruption und Online-Finanzbetrug durch Vernetzung verhindern zu wollen das überaus intelligente Bestreben überbordend intelligenter Menschen in Charge, die nicht beachten, dass Vernetzung ein Wesensmerkmal von Korruption und die Voraussetzung jedes Online-Finanzbetrugs ist und diese nur verhindert werden könnten, wenn die direkte Vernetzung der Menschen aufgehoben werden würde, oder zumindest unter Kontrolle gestellt wäre. Wenn Sie mir nun in die Wildnis Nordkanadas folgen wollen, wo sehr wenige Menschen leben und diese auch kaum online vernetzt sind, wird augenscheinlich, dass der dort vereinzelte Mensch um den Grad er keine Verbindung zum anderen hat, weil er schlicht hunderte Kilometer vom nächsten Menschen entfernt ist, kaum von den negativen Aspekten der digitalen Vernetzung betroffen ist.

Je weniger Verbindung und Vernetzung, desto weniger Korruption und Online-Finanzbetrug, weil die technologische Möglichkeit dazu fehlt oder sehr gering ist. Was im Gegensatz dazu diese Analyse für die vernetzte Wissenschaft, vernetzte Wirtschaft und die vernetzte Gesellschaft bedeutet, dies, liebe/r geneigte/r Leser/in, sich auszumalen überlasse ich nun ganz Ihrer Intelligenz. Auch die Akkumulation von Kapital bedient sich dieser Vernetzung, und das führt auch zur Akkumulation der Macht in den Händen immer weniger, die dadurch immer mächtiger werden.

So droht auch wirtschaftliches Fehlverhalten bzw. die implizite oder explizite Übervorteilung von Kunden durch Groß-Konzerne von den Betroffenen immer mehr ohnmächtig hingenommen zu werden. Denn der einzelne Kunde, der sich in dieser Sache an einen Anwalt oder Staatsanwalt wendet, erfährt nur allzu oft, dass auch diesen wegen personeller, zeitlicher und finanzieller begrenzter Mittel die Hände gebunden sind gegen Groß-Konzerne vorzugehen. So sehen sich jene Vertreter des Rechts oft auch nicht mehr in der Lage aufgrund der internationalen Komplexität des Vernetzungsgrads des Großkonzerns sich diesem für das Wohl des Klägers entgegen zu stellen. Dazu kommen noch Hundertschaften an Anwälten auf Konzernseite, die diese Klagen abwehren.

Daher können nur mehr Instanzen wie der Europäische Gerichtshof dem einzelnen Geschädigten gegen multinationale Konzerne Schutz geben. Hierin läge aus meiner Sicht eine der wesentlichsten Aufgaben der Europäischen Kommission als ebenfalls multinationale Institution zum Schutz des Bürgers gegen multinationale Konzerne aufzutreten, die sich sonst anscheinend in vielen Angelegenheiten vor niemandem mehr rechtfertigen wollen und müssen.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann
Systemischer Analyst und Philosoph

Donnerstag, 4. Mai 2017

Das Ende der Globalisierung - Die Welt wird zum Kaff

Ich bin selbst nicht erfreut über nationalistische Reflexe, in Form von nationalistisch motiviertem Patriotismus, Protektionismus, Isolationismus und letztlich blankem Nationalismus, und gestehe es den sogenannten Linken zu, dass sie sich davor fürchten und dagegen Sturm laufen, und gönne ihnen daher jede erdenkliche Form ihrer Ängste. Sie sollen sich darin ergehen, wie sie wollen. Doch wie bitteschön haben sich diese linken Kräfte, diese sozialistische bis kommunistische Internationale, die in weite Teile der westlichen Kultur eingegangen ist und sie maßgeblich bestimmen, vorgestellt, würde es weitergehen? Würde es immer so weitergehen?
Ungehinderte, unregulierte Globalisierung, wo zwar nicht Nationalismen im Vordergrund stehen, dafür aber um so mehr der Markt angetrieben von blanker Gier in Form von weltweit aGIERenden Konzernen, die nichts anderes erkennen lassen zu kennen als ihre Profitmaximierung und ihren Shareholder Value, war die letzten Jahrzehnte am Werk.
Und die Linken in ihrer Naivität glaubten offenbar es ginge darum, dass die Welt zum Dorf werde, zusammenwachse, Grenzen überschritten und Austausch gepflogen würde, und übersahen in ihrer schöngeistigen Bubble darüber ganz, dass tatsächlich Grenzen überschritten wurden, Kapitalaustausch gepflogen wurde und das Kapital akkumulierte in einer schier noch nie dagewesenen Form.
Somit weil die Linken, selbst im rechten Gewand, die längste Zeit die Akkumulation des Kapitals nicht in den Griff bekamen und die mit ihnen in Liaison stehenden global agierenden Konzerne als Vorhut bereits alles auffraßen, sich einverleibten und den Rest vernichteten, blieb im Zuge der globalen Umverteilung von Reich zu noch Reicher am Ende den ehemals reichen Nationen des Westens, die nun ausverkauft darniederliegende und deren Reichtum in die Hände einiger weniger unregulierter Mächte und Länder und darin auch nur der Eliten und gewisser Personen fiel, nur der nun weltweit zu beobachtende nationalistische Reflex, der zwar nicht schön, aber nachvollziehbar ist.
So haben die Linken an der Macht, selbst in den rechten Parteien, letztlich durch ihr Nichtstun, ihr nicht Eingreifen den freien Markt schalten und walten lassen, wie er wollte, ihn in seiner Entfesselung maßlos unterschätzend und auf seine selbstregulierenden Kräfte blind vertrauend den Konzernen die letzten Jahrzehnte in die Hände gespielt und dem Versuch der Menschen ihre Grenzen zu schließen, sich auf sich, ihre Nation und ihre Ethnie zu besinnen und zu reduzieren, und ihr letztes Hab und Gut vor der Welt zu retten, also den heutigen weltweit zu beobachtenden populistischen Gegenreaktionen, dem nationalistischen Reflex der von ihnen in weiten Teilen im Stich gelassenen Bevölkerung den Weg bereitet.
Es ist abzusehen und vorprogrammiert, dass sich die Mehrheit der Menschen auf Dauer nicht ihrem vom linken Henker für sie gewählten Schicksal ergeben werden, der sie ausverkauft, und ihnen nahelegt, dass es so sein müsse, dass sie immer ärmer werden und die Welt reicher, und sie sich in der westlichen Welt entweder schon jetzt oder sehr bald nichts mehr leisten können werden, weil ihre Reserven aufgebraucht und nicht mal am Horizont ein Job in Sicht ist.
So agieren Linke an der Macht ganz so, als könnte man auf die Moral der Konzernchefs vertrauen, einer Moral, von der ja so viele Linke so wenig halten, und darauf, dass diese ihren Reichtum, ihre Milliarden wieder in die Gesellschaft einleiten und der Gesellschaft durch Jobs und Wohlstand etwas zurückgeben würden, und nicht ad nauseam von der Gier getrieben raffen.
Wohl eher das Gegenteil ist der Fall, sodass man sich in diesem Punkt nicht auf die Moral, sondern auf die Märkte, auf die Akkumulation des Kapitals und die Raffgier der Konzernchefs ganz und gar verlassen kann und natürlich auf die schöngeistige Naivität der Linken in Charge, die zielsicher die Rechnung ohne die Konzerne machen.
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann
Systemic Analyst and Philosopher